Die Schuldenflut schwillt weiter an

Bernd Heim
By Bernd Heim / 5. Dezember 2019

Der moderne Turmbau zu Babel ist die permanente Erhöhung des Schuldenturms. Er wächst allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz immer weiter. Ein Ende ist nicht in Sicht. Das Institute of International Finance (IIF) hat ermittelt, dass die weltweiten Verbindlichkeiten im ersten Halbjahr 2019 auf insgesamt 250,9 Billionen US-Dollar angestiegen sind.

Damit erreicht die globale Verschuldung einen neuen Rekordwert. Er entspricht stolzen 320 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts (BIP). Ein Jahr zuvor war die Welt „nur“ mit 243,6 Billionen US-Dollar in den Miesen. Die größten Schuldenmacher sind derzeit die USA und China. Der Bericht des IIF belegt, dass die beiden Länder für rund 60 Prozent der neuen Schulden verantwortlich sind.      

Ein Ende des Trends erwartet das IIF, bei dem es sich um eine weltweite Vereinigung von Finanzinstituten handelt, nicht. Wir dürfen uns somit auf immer weiter steigende Schulden einstellen. Bis zum Jahresende soll der Schuldenstand auf 255 Billionen US-Dollar anwachsen.

Bemerkenswert und durchaus ein Grund zur Besorgnis ist die stetig wachsende Verschuldung der Schwellen- und Entwicklungsländer. Auch sie erreichte mit 71,4 Billionen US-Dollar in diesem Jahr einen neuen Rekordwert. Gemessen am gesamten Bruttoinlandsprodukt der Schwellenländer beträgt ihre Verschuldung nunmehr 220 Prozent.

Beim großen Schuldenmachen will niemand abseits stehen

Der Trend zu mehr Schulden ist so ziemlich das Universalste, was die Welt derzeit zu bieten hat: Niemand will abseits stehen. Nicht nur die Staaten verschulden sich. Auch die Unternehmen und die privaten Haushalte greifen dank der niedrigen Zinsen gerne zu und erhöhen ihre Kredite.

Auf staatlicher Seite stieg die Verschuldung um 2,8 Billionen US-Dollar auf 68,4 Billionen US-Dollar. Kein anderer Sektor leistete sich einen derart hohen Zuwachs. Die privaten Schuldner haben ihre Kredite um1,6 Billionen US-Dollar auf nunmehr 47,2 Billionen US-Dollar erhöht.

Sehr unterschiedlich gestaltet sich die Lage bei den Unternehmen. Eine vornehme Zurückhaltung übte der Finanzsektor. Hier wurde die Schuldenlast „nur“ um 500 Milliarden auf 61 Billionen US-Dollar erhöht. Wesentlich stärker verschuldet haben sich jedoch die Firmen außerhalb des Finanzsektors. Sie erhöhten ihre Verbindlichkeiten um 2,3 Billionen auf nunmehr 74,2 Billionen US-Dollar.

Der ohnehin große Rentenmarkt ist in den vergangenen Jahren immer größer geworden. Ein Blick zurück zeigt, dass sich das Kreditvolumen im vergangenen Jahrzehnt um über 70 Billionen US-Dollar erhöht hat. In den Industrieländern waren dafür primär die Staaten verantwortlich.

Krisenfaktor Staatsunternehmen

In den Schwellenländern hingegen waren es vor allem die Unternehmen außerhalb des Finanzsektors, die sich mit fremden Geld vollsogen. Zurückhaltung wurde dabei nicht geübt, denn in den vergangenen zehn Jahren verdreifachten die Unternehmen ihre Schuldenlast auf über 30 Billionen US-Dollar.

Es waren hier vor allem Firmen in Staatsbesitz, die neue Schulden aufnahmen. In den Schwellenländern sind sie mittlerweile für mehr als die Hälfte der gesamten Verschuldung auf Unternehmensseite verantwortlich.

Bis zum Jahr 2009 war das Volumen der weltweit gehandelten Anleihen auf 87 Billionen US-Dollar angewachsen. Zur Mitte des Jahres 2019, wurden an den internationalen Rentenmärkten Obligationen im Wert von 115 Billionen US-Dollar gehandelt. Heute dürften es schon wieder etwas mehr sein.

Verschoben hat sich allerdings die Gewichtung der einzelnen Schuldner. Während das Volumen der Staatsanleihen um sieben Prozentpunkte auf 47 Prozent angewachsen ist, ging der Anteil der Anleihen von Emittenten aus dem Finanzsektor um zehn Prozentpunkte auf 40 Prozent zurück.

Interessant ist, dass die Anleger sich um diese Entwicklung kaum kümmern. Sorgen scheint sich niemand zu machen. Anderenfalls würden die wichtigsten Aktienindizes nicht auf oder nahe bei ihren Höchstständen notieren. Das zeigt, dass die Gefahr einer Überschuldung nicht zu hoch gewichtet wird. Auch das sollte uns zu denken geben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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