Die Anleger sehen das Kupfer mit anderen Augen

Das Kupfer war für viele Anleger in der Vergangenheit nichts anderes als ein Basismetall. Es galt zwar als eines der wichtigsten Industriemetalle und man gab ihm respektvoll den Namen Dr. Copper, weil das Kupfer mit seinen Preisauf- und -abschlägen die wirtschaftlichen Veränderungen schon immer recht frühzeitig angezeigt hat. Doch am Status des Industriemetalls war nicht zu rütteln.

Kupfer ist viel zu unedel, um in die feine Riege der Edelmetalle aufsteigen zu können. Insofern war die Zurückhaltung der Anleger in der Vergangenheit durchaus berechtigt. Trotzdem gehen inzwischen immer mehr Anleger dazu über, dem Kupfer einen viel höheren Status zuzubilligen.      

Die Veränderung wird deutlich, wenn man einen Blick auf die großen Player im internationalen Bergbau wirft. So erklärte beispielsweise Mark Bristow, der Vorstand von Barrick Golds südafrikanischem Geschäftszweig, dass der weltweit größte Goldförderung auch weiterhin seinen Schwerpunkt im Gold sehe, aber beim Kupfer ebenso zuschlagen wolle, sobald sich Möglichkeiten dazu eröffnen.

Die Barrick Gold-Führung ist derzeit nicht das einzige Management, das nach Expansionsmöglichkeiten im Kupfersektor Ausschau hält. Auch andere Größen der Branche wie der frühere BHP-Vorstand Brian Gilbertson wenden sich dem Kupfer zu. Gilbertson möchte sein neues Investment Vehicle, die Pallinghurst Group, zu einem signifikanten Player in der Welt der Batteriemetalle aufbauen.

Batterien, die die Welt verändern

Damit ist das entscheidende Stichwort dafür gefallen, warum sich innerhalb der Branche und auch innerhalb der Investoren derzeit ein Umdenken vollzieht. Das Kupfer wird nicht mehr als Industriemetall gesehen, sondern als strategisches Metall. Wer keinen oder keinen ausreichenden Zugang zu ihm hat, droht abgehängt zu werden, denn ohne Kupfer, Kobalt, Lithium und Nickel werden die geplanten Autos mit Elektromotoren die Fabrikhallen und Garagen auf gar keinen Fall verlassen können.

Viele mit dem Rohstoffsektor weniger vertraute Anleger wissen nicht, was innerhalb der Branche die Spatzen längst von den Dächern pfeifen: Der Welt wird das Kupfer ausgehen. Nun, das geschieht nicht über Nacht, aber nach 2035 werden viele große Minen erschöpft sein und die Bergbauunternehmen werden nicht mehr die Mengen an Kupfer fördern können, die benötigt werden, um all die vielen elektrischen und elektronischen Geräte zu betreiben, an wir uns seit Jahren gewöhnt haben.

Wer nun denkt, dass bis 2035 noch sehr viel Zeit vergehen wird und die drohende Kupferknappheit noch weit entfernt ist, der irrt – und er irrt nicht nur ein bisschen, sondern gewaltig. Der Grund sind die langen Vorlaufzeiten, die ein Bergbauprojekt benötigt, um zu einer produzierenden Mine heranzureifen.

Bei kleineren und mittleren Minen vergehen leicht zehn Jahre. Die größeren Projekte kommen damit nicht aus. Sie benötigen eher 15 bis 20 Jahre bis sie die Förderung aufnehmen können. Das bedeutet im Gegenzug, dass jedes Jahr, das heute bei der Entwicklung neuer Kupfervorkommen versäumt wird, den ab 2035 zu erwartenden Engpass weiter vergrößern wird.

Der Wettlauf um die guten Kupferprojekte hat längst begonnen

Eigentlich sollte sich die Welt sofort auf den Weg machen und intensiv nach neuen Kupfervorkommen suchen und diese erschließen. Doch das tut sie nicht und Schuld an dieser Misere sind auch die Anleger. Sie haben den Kupferpreis in den letzten Jahren deutlich fallen lassen.

Auch in diesem Jahr war die Preisentwicklung bislang negativ, denn der Markt spielte das Szenario einer Abschwächung der weltweiten Wirtschaftsleistung. Zu Beginn des Jahres erreichte der Preis für ein Pfund Kupfer 2,96 US-Dollar. Inzwischen werden nur noch 2,64 US-Dollar gezahlt. Im Tief waren es sogar nur 2,53 US-Dollar pro Pfund.

Mit diesen Preisen kann die Branche nicht gut leben. Es lässt sich vielleicht noch die laufende Produktion bei bestehenden Minen aufrechterhalten. Aber das auch nur, wenn die besonders hochgradig vererzten Zonen zuerst abgebaut werden und die Ausgaben für die Exploration neuer Vorkommen und ihre Erschließung auf ein Minimum reduziert werden.

Weil und solange die Welt derart von der Hand in den Mund lebt, wird sich die kommende Kupferkrise nicht vermeiden lassen. Es droht ein Preisschock, der viele Anleger jubeln lassen, aber die Masse der Konsumenten auf dem falschen Fuß erwischen wird.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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