Auch bei den Dividenden ist nicht alles Gold, was glänzt

In Zeiten von niedrigen und bisweilen sogar negativen Zinsen, halten viele Investoren Dividendenaktien für die besseren Zinspapiere. Diese verkürzende Sichtweise hat natürlich ihre Berechtigung, denn wo sonst können am Kapitalmarkt noch ähnlich hohe Erträge erwirtschaftet werden?

Doch es gibt auch Unterschiede, die nicht übersehen werden dürfen. Der wichtigste Unterschied ist, dass Dividenden keine Zinsen sind. Der Zins für eine Anleihe, egal, ob er hoch oder niedrig ist, muss vom Kreditnehmer gezahlt werden. Eine Dividende ist demgegenüber eine freiwillige Verpflichtung des Unternehmens.      

Es kann diese erfüllen und die meisten Firmen werden auch so klug sein, ihren Dividendenankündigungen die entsprechenden Zahlungen folgen zu lassen. Aber eine Pflicht dazu besteht nicht. Selbst wenn die Dividende schon angekündigt wurde, kann sie von der Firma im Fall einer plötzlichen Notlage immer noch widerrufen werden.

Diesen Weg, bei einer plötzlichen Notlage, Liquidität durch eine kurzfristige Änderung der Firmenpolitik im Unternehmen zu halten, gibt es bei den Anleihen nicht. Hier ist die Zahlung zu leisten. Wird sie nicht erbracht, fällt die Anleihe aus, mit allen Konsequenzen, die dies für ein Unternehmen hat.

Nicht allein die Höhe der Dividende ist entscheidend

Hohe Dividenden ausbezahlt zu bekommen, ist für jeden Investor eine Freude. Sie darf allerdings nicht dazu führen, dass nur noch auf die Höhe der Dividende geachtet wird. Natürlich sind 5% Dividende besser als vier und 6% Prozent besser als fünf. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass auch das Unternehmen besser und das Investment damit sicherer ist.

Genau das Gegenteil kann sogar der Fall sein, denn die Dividendenrendite ist von zwei Faktoren abhängig: der Höhe der Zahlung aus dem Unternehmen und der Höhe oder der Tiefe des Aktienkurses. Eine hohe oder sogar sehr hohe Dividendenrendite muss deshalb nicht notwendigerweise einem hohen Gewinn entsprechen.

Der Gewinn kann auch nur auf dem Niveau der Vorjahre verblieben sein. Trotzdem wird sich die Dividendenrendite verdoppeln, wenn sich der Kurs des Unternehmens in den letzten zwölf Monaten halbiert hat. Hohe Dividendenrenditen weisen damit nicht zwangsläufig auf gute Gewinne hin.

Sie können ebenso auch ein Zeichen für stark fallende Kurse sein. Diese wünscht sich kein Investor. Deshalb sind die Anleger gut beraten immer auch einen Blick auf den Chart zu werfen. Hat sich der Kurs in der jüngeren Vergangenheit stark ermäßigt, sollte unbedingt nach dem Grund gefragt werden, denn ohne Not und ohne Grund verkauft kein Anleger seine Investments unter Wert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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