China: Wohlverhalten wird in Zukunft belohnt

Sollte US-Präsident Donald Trump nach seiner Amtszeit als Privatmann nach China einreisen und dort einen Hochgeschwindigkeitszug buchen wollen, könnte es schwierig für ihn werden, an die begehrte Fahrkarte zu kommen.

Der Grund dafür wären aber nicht Donald Trumps fehlende Chinesischkenntnisse oder ein technisches Unvermögen beim Onlinekauf der Tickets, sondern die vielen Fake News, die er im Internet verbreitet, und gerade im Blick auf China, seine häufigen Veröffentlichungen von regierungsfeindlichen Botschaften in den sozialen Netzwerken.      

Was sich im Moment noch wie ein schlechter Scherz oder eine ferne Utopie anhören mag, könnte schon in wenigen Jahren Realität sein, denn im Reich der Mitte startet schon bald das sogenannte Social-Credit-System. Bis Ende 2020 soll es eingeführt sein.

Zunächst zielt die Initiative darauf, Unternehmen und Behörden zu disziplinieren. Oder wie es Staats- und Parteichef Xi Jinping ausdrückte: „Alles ist angenehm für den Vertrauenswürdigen, und nicht Vertrauenswürdige können keinen einzigen Schritt machen.“

Die Strafe folgt auf dem Fuß

Der Regierung in Beijing erscheint diese Regulierung ihrer Behörden, Unternehmer und Bürger notwendig, weil sich seit der Öffnung des Landes in den 1990er Jahren eine Anything-goes-Mentalität breitgemacht hat. Das hat dazu geführt, dass sich auf Ebene der Unternehmen viele Marktteilnehmer, weder um die Verschmutzung der Umwelt, noch um die Rechte der Konsumenten oder gar um den Schutz des geistigen Eigentums der lieben Konkurrenz gekümmert haben.

Fehlverhalten dieser Art soll in Zukunft sanktioniert werden. Dazu wird in einem ersten Schritt eine gigantische Datenbank geschaffen. Sie bündelt das Wissen, das die einzelnen Behörden über die Unternehmen haben, und macht es allen zugänglich. Die Folge: Wer heute Probleme mit dem Finanzamt oder der Umweltbehörde hat, hat in Zukunft Stress auf allen Ämtern.

Bislang betreffen rund 80 Prozent der erhobenen Daten Unternehmen. Sie müssen mit häufigeren Inspektionen durch die Behörden oder Problemen bei der Beantragung von Lizenzen und Darlehen rechnen, sollte sich ihre Punktezahl zu sehr ins Negative verändern. Wer massiv auffällt, wird von öffentlichen Ausschreibungen und Aufträgen ausgeschlossen und schlimmstenfalls öffentlich gebrandmarkt.

Letzteres hört sich für europäische Ohren vielleicht etwas seltsam an. Doch in China ist der damit verbundene Druck enorm, denn der Verlust des eigenen Gesichts ist eine der größten Peinlichkeiten, die einem Menschen widerfahren kann. Deshalb hat die angedrohte öffentliche Brandmarkung dort einen ganz anderen Stellenwert als hierzulande.

Der Finanzsektor soll profitieren

Es liegt auf der Hand, das die Bürger von diesem System früher oder später auch erfasst werden. An dieser Stelle kommt Donald Trump stellvertretend für alle anderen ins Spiel. Was in den sozialen Netzwerken an Kritik über die Regierung erlaubt ist, legt im Reich der Mitte nicht ein unabhängiges Gericht, sondern die Regierung selbst fest. Ärgert man diese zu oft, kann einem das Leben leicht zur Hölle gemacht werden.

Das ist die negative Seite des neuen Systems. Es ist allein die Regierung und die sie tragenden KPC, die festlegt, welches Verhalten belohnt und welches bestraft werden wird. Stark profitieren könnte hingegen der Finanzsektor, denn Chinas Banken sind noch recht jung und die Bewertung von Kreditrisiken ist unterentwickelt.

Hier dürfte das neue System schnell für mehr Transparenz sorgen und damit langfristig zu einer größeren Stabilität im Bankensektor beitragen, denn Kunden mit schlechter Zahlungsmoral werden in Zukunft wesentlich schneller auffliegen und von neuen Krediten ausgeschlossen werden, als dies heute noch der Fall ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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