Am Gold führt auf Jahrzehnte kein Weg vorbei

Wenn in diesen Tagen wieder die Glaskugeln bemüht und die Prognosen für das vor uns liegende Jahr 2020 abgegeben werden, können Sie sich als im Gold investierter Anleger eigentlich entspannt zurücklehnen. Egal, ob für den 31. Dezember 2020 höhere oder niedriger Preise erwartet werden, am Gold führt auf Jahrzehnte kein Weg vorbei.

Warum das so sein wird, zeigt ein einfacher Blick auf die Lage der Weltwirtschaft und die Möglichkeiten der Notenbanken und Regierungen. Man braucht kein großer Prophet sein, um vorhersehen zu können, dass der lange Wirtschaftsaufschwung, den wir seit der Finanzkrise genießen, eines Tages enden wird. Ob dieses Ende schon 2020 auf uns wartet oder erst zu einem späteren Zeitpunkt, ist unerheblich.      

Schon relativ klar ist allerdings, was dann geschehen wird. Es wird noch lauter als es jetzt schon der Fall ist nach dem Staat oder nach einer unterstützenden Geldpolitik durch die Notenbanken gerufen werden. Ertönt dieser Ruf nur lange genug, wird ihm sicher auch Folge geleistet werden.

Das bedeutet, dass wir entweder neue staatliche Konjunkturpakete oder eine noch lockerere Geldpolitik der Notenbanken sehen werden. Möglicherweise versucht man der Krise auch mit einer Kombination aus beiden Maßnahmen Herr zu werden. Doch egal, ob nur die Schulden steigen oder auch die Zinsen fallen: Für das Gold werden beide Entwicklungen vorteilhaft sein.

Gold und Silber können nur gewinnen

Schon vor Jahren ging der Internationale Währungsfonds (IWF) unter seiner damaligen Präsidentin Christine Lagarde davon aus, dass die Zinsen im Fall einer neuerlichen, schweren Rezession in der Eurozone auf minus vier bis fünf Prozent gesenkt werden müssen, um die Krise wirksam bekämpfen zu können.

Es ist aber auch allgemein bekannt, dass die europäischen Banken schon heute unter den negativen Zinsen massiv leiden. Eine weitere deutliche Absenkung des Zinsniveaus würde viele von ihnen in existentielle Schwierigkeiten bringen. Ob die Europäische Zentralbank sich und die Eurozone in eine derartige Lage bringen will, bleibt abzuwarten.

Klar ist jedoch, dass Minuszinsen von vier bis fünf Prozent nur mit einem Bargeldverbot durchzusetzen sind. Sollte diese extreme Form der finanziellen Repression verwirklicht werden, dürfte eine Fluchtbewegung ins Gold einsetzen, die den Preis des gelben Metalls sehr schnell in atemberaubende Höhen katapultiert.

Eine Alternative wäre, die Europäische Zentralbank hebt die Zinsen wieder so leicht an, dass ein positives Zinsniveau entsteht und die Banken mit ihrem traditionellen Geschäftsmodell wieder Geld verdienen können. Solang das reale Zinsniveau, also der nominale Zinssatz abzüglich der Inflationsrate, negativ verbleibt, werden die vielen Schuldner und das wenige Gold auch zukünftig massiv profitieren, während die Halter von Geld und Geldwerten weiterhin die Dummen sein werden.

Höhere Schulden sind nicht die Lösung, aber gut für Gold

Gerettet werden müsste die Wirtschaft dann durch die Staaten. Diese würden sich bei weiterhin niedrigen Zinsen noch höher verschulden und ein Konjunkturprogramm nach dem anderen auflegen. Über deren Nutzen darf anschließend lebhaft gestritten werden, doch dass weiter steigende Schulden grundsätzlich positiv für das Gold sind, dürfte außer Frage stehen.

Dass ein derartiges Szenario nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, zeigt ein Blick nach Japan. Dort hat die Regierung zu Beginn des Monats ein neues Konjunkturprogramm aufgelegt. Auch in den USA hat US-Präsident Donald Trump in den letzten Monaten ein deutlicheres Abkühlen der US-Wirtschaft dadurch verhindert, dass die Schulden des amerikanischen Staates massiv erhöht wurden.

Gehen wir davon aus, dass Japan und die USA auch für China und die Europäische Union das Vorbild sein werden, ist eine weitere massive Ausweitung der Schulden zu erwarten. Vor ihr können sich die Menschen überall auf der Welt nur dadurch schützen, dass sie ihr Vermögen – falls noch nicht geschehen – in die Sachwerte umschichten.

Immobilien, Ackerland, Aktien und Kunstwerke haben sich in den vergangenen Jahren bereits massiv verteuert. Vergleichsweise billig sind immer noch die Edelmetalle, denn die Preise für Gold, Silber und Platin waren seit 2012 tendenziell rückläufig. Erst in diesem Jahr begann der Goldpreis, eine vorsichtige Wende zu vollziehen.

Geht man davon aus, dass das Schuldenmachen und/oder die negativen Realzinsen kein schnelles Ende finden werden und sich der Bewertungsabschlag bei Gold und Silber im Vergleich zu anderen Kapitalanlagen in den kommenden Jahren reduzieren wird, dann führt an den Edelmetallen im kommenden Jahrzehnt kein Weg vorbei.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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