Wie schützt man sich am besten vor einer Rezession

Rezessionen werden an der Börse gefürchtet und die Anleger versuchen im Vorfeld, sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten. Das gelingt den Privatanlegern oft nur sehr unzureichend, denn die Absicherung eines Portfolios ist erstens recht kompliziert und zweitens meist auch sehr teuer.

Hinzu kommt, dass der vermeintliche Schutz oftmals nur theoretischer Natur ist, weil die Privatanleger gar nicht in der Lage sind die Empfehlungen der Profis umzusetzen und beispielsweise ihr Depot mit Optionen oder Futures abzusichern. Ein weiterer wichtiger Punkt, der auch den Profis beständig Schwierigkeiten bereitet ist, dass Rezessionen prinzipiell unvorhersehbar sind. Sie können kommen, sie können aber auch noch ein bis zwei Jahre auf sich warten lassen.      

Als Anleger haben wir deshalb anzuerkennen, dass es ein absoluten Schutz nicht gibt und auch niemals geben wird. Wer sich aus Angst vor einem zukünftigen Einbruch dennoch dazu entscheidet, eine defensive Strategie zu wählen, der muss sich darüber im Klaren sein, dass er eventuell über einen Zeitraum von mehreren Jahren eine schlechtere Performance erzielt als der Markt.

Das ist gerade mit Blick auf die eigene Psychologie nicht immer leicht durchzuhalten. Auf der anderen Seite sollten die Anleger aber auch berücksichtigen, dass selbst gute Strategien keinen hundertprozentigen Schutz bieten. Wer um diesen Sachverhalt weiß, hat die Chance, die Lösung des Problems etwas gelassener anzugehen.

Diese Warnsignale können Sie beachten

Früher waren die Aktien für die Kursgewinne und die Anleihen für die regelmäßigen Zinseinnahmen zuständig. In den letzten Jahren hat sich dank der niedrigen und negativen Zinsen das Verhältnis umgekehrt. Um regelmäßige Einkommen zu erzielen, setzen viele Investoren auf dividendenstarke Unternehmen. Kursgewinne hingegen erhoffen sie sich von hoch spekulativen Unternehmensanleihen.

Es liegt auf der Hand, dass Letztere im Fall einer Krise sehr anfällig sind und als Erste markante Kursverluste erleiden werden. Vor diesem Hintergrund macht es auch für Privatanleger Sinn, den Markt für Unternehmensanleihen immer im Blick zu haben. Das gilt auch dann, wenn man selbst dort nicht aktiv werden will.

Signalisieren fallende Kurse im Bereich der Junkbonds einen möglicherweise aufkommenden Sturm, kann der Investor darüber nachdenken, seine Aktienquote langsam zu reduzieren oder die Stoppkurse in seinem Depot enger an die aktuellen Kurse heranzuziehen.

Stoppkurse sind überhaupt eine der preiswertesten Lösungen, die gewählt werden können, um ein Depot abzusichern. Über jeden Zweifel erhaben sind sie aber auch nicht. Wird der Stopp zu eng gewählt, wird man gerade in volatilen Zeiten vorzeitig ausgestoppt und der Wiedereinstieg in den Markt ist anschließend teuer.

Aber selbst wenn der Stoppzeitpunkt prinzipiell richtig gewählt wurde, können am Ende dennoch unangenehme Verluste stehen, denn gerade bei illiquiden Werten kann die Ausführung des Verkaufs weit vom gewählten Stoppniveau entfernt sein. Mit Hilfe von Trailingstopps kann das Problem zwar etwas entschärft aber nie ganz gelöst werden.

Umschichtungen als Lösungen

Eine weitere Möglichkeit, das eigene Depot sturmfest zu machen, sind rechtzeitige Umschichtungen in defensivere Werte. Von ihnen ist bekannt, dass sie in Krisenzeiten die Eigenschaft haben, besser als der Markt abzuschneiden. Das bedeutet zwar nicht, das der Anleger in keinem Fall Verluste erleiden wird. Aber es bietet die Chance, diese zu verringern und damit mit dem eigenen Depot besser abzuschneiden als der Markt.

Auch Dividendenaktien können eine Lösung sein, etwa dann, wenn ein Unternehmen zu den sogenannten Dividendenaristokrakten zählt und die gezahlte Ausschüttung von Jahr zu Jahr erhöht. Natürlich ist man auch bei diesen Aktien vor Kursverlusten niemals sicher. Aber wer Value in seinem Depot hatte, war in der Vergangenheit in Zeiten der Krise den Investoren, die primär auf Wachstumsaktien gesetzt hatten, zumeist überlegen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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