Erinnerungen an das Jahr 2000 werden wach

Erinnern Sie sich noch an den Jahreswechsel 1999/2000? Diesem Jahreswechsel sahen viele Menschen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Furcht herrschte, denn in der Computerwelt drohte aufgrund des Y2K-Problems, also der Umstellung der Jahreszahl von 99 auf 00, eine Reihe von Pannen auf uns zuzukommen.

Vom Ausfall der Heizung bis hin zu explodierenden Atomkraftwerken. Es gab fast kein Untergangsszenario, das nicht diskutiert wurde und auch die Finanzmärkte waren selbstverständlich betroffen. Was, wenn die Banken nach dem Jahreswechsel keine Gelder mehr überweisen konnten? Was, wenn die Liquidität plötzlich verebbt und an den Börsen keine Aktien mehr gehandelt werden können?      

De US-Notenbank, damals noch unter der Leitung von Alan Greenspan, sorgte vor. Sie flutete den Markt mit Liquidität. Der nahm das Geschenk gerne an und kaufte schnell die damals beliebten Telekomaktien und Internetwerte, bevor sie am Ende des Tages schon wieder teurer geworden waren.

Wir wissen heute, wie die Geschichte endete. Das Y2K-Problem war im Vorfeld hinreichend gelöst worden und die Computer machten keinen Ärger. Auch im Finanzsektor war der 1999/2000er Jahreswechsel, ein Jahreswechsel wie jeder andere. Die von der FED im Vorfeld bereitgestellte Liquidität wäre gar nicht gebraucht worden.

Das bittere Ende kam im März 2000

Nun war sie aber da und trieb die ohnehin schon heißgelaufenen Kurse. Das tat sie solange, bis die US-Notenbank daran ging, die überschüssige Liquidität wieder einzusammeln. Das geschah im Frühjahr und wenig überraschend endete auch die Hausse an den Aktienmärkten zur gleichen Zeit. Es war die FED, die dem Markt den Stecker zog.

In wenigen Tagen steht wieder ein Jahreswechsel an. Computerprobleme muss die US-Notenbank derzeit zwar nicht fürchten, aber der Repo-Markt macht ihr Sorge. An diesem Markt finanzieren sich die Banken mit kurzzeitigen Krediten. Er ist deshalb ein gutes Abbild für das innerhalb des Finanzsystems herrschende Vertrauen.

Nicht ohne Grund hat die frühere FED-Chefin Janet Yellen während ihrer Amtszeit mehrfach darauf hingewiesen, wie wichtig es für die Notenbank sei, immer wieder auch einen Blick auf den Repo-Markt zu werfen.

Der bereitet ihrem Nachfolger aber seit September immer wieder Kummer und wird deshalb von der FED seit Monaten gestützt. Wie umfangreich die im Herbst durchgeführten Maßnahmen sind erkennt man daran, dass der gesamte Effekt der in den vergangenen Jahren durchgeführten Bilanzverkürzung bereits neutralisiert wurde.

Zum Jahreswechsel will die FED noch einmal nachlegen und einen hohen dreistelligen Milliardenbetrag in den US-Geldmarkt pumpen. Da dieses Geld wie bei allen Maßnahmen der Notenbank aus dem Nichts erzeugt wird, sind die Effekte vergleichbar mit der Wirkung, die die Maßnahmen von 1999/2000 hatten. Der einzige Unterschied besteht darin, dass damals „nur“ 120 Milliarden US-Dollar in den Repo-Markt gepumpt wurden.

Die seit September bereitgestellten Mittel summieren sich mit den neuen Maßnahmen inzwischen auf 500 Milliarden US-Dollar. Wir sprechen somit über nichts anderes als die größte Geldflut aller Zeiten. Wirkt sie ähnlich wie vor 20 Jahren könnte dem hohen Aktienbewertungen ein ähnliches Ende drohen wie im März 2000.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: