Aktienperformance: Wird die Zukunft wie die jüngere Vergangenheit?

Wir Menschen neigen dazu, das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, einfach in die Zukunft fortzuschreiben. Das tun wir zumeist in einer linearen Weise. Damit werden wir blind für alle die Entwicklungen, die sich exponentiell vollziehen. Das ist einer der Gründe dafür, warum viele Anleger den Zinseszinseffekt vollkommen unterschätzen und sich seiner Macht nicht bewusst sind.

Doch der Zinseszinseffekt soll heute nicht das Thema sein, sondern dass, was wir als Anleger nicht nur vom kommenden Jahr, sondern von den kommenden Jahren realistisch erwarten können. An dieser Stelle könnten viele von uns zu optimistisch unterwegs sein und der Grund dafür liegt in der Vergangenheit.      

Die letzte größere Krise war die Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie liegt mittlerweile über zehn Jahre zurück. An den Märkten ist längst eine neu Generation von Tradern und Investoren herangewachsen, die diese Zeit nur als Kinder erlebt habt. Und selbst die Anleger, die damals schon am Markt aktiv waren, werden viel ihrer Emotionen und Erlebnisse inzwischen vergessen haben.

Relativ gut in Erinnerung dürfte uns allen aber der anschließende Aufschwung sein, denn er hält immer noch an und bestimmt auch heute noch das Geschehen an den Börsen. Er begann im Frühjahr 2009 und manchem mag es so erscheinen, als würde er niemals enden.

Endlose Hausse oder baldige Vertreibung aus dem Anlegerparadies?

Diese Haltung ist natürlich unrealistisch, denn auch der längste Boom kommt irgendwann einmal an sein Ende. Aber es ist nicht nur die zeitliche Länge dieses Booms, die außergewöhnlich ist. Seine Performance ist es ebenso. Im Jahr 2009 startete der S&P 500 beispielsweise mit einem Eröffnungskurs von 903 Punkten. Bis Anfang Dezember hat er sich auf 3.146 Punkte verbessert.

Das entspricht einem jährlichen Wertzuwachs von rund zwölf Prozent. Anlagen, die sich in diesem Tempo entwickeln, verdoppeln sich alle sechs Jahre und es dauert nur zehn Jahre, bis eine Verdreifachung des Kapitals erreicht ist. Aktieninvestments sind allerdings dauerhaft „nur“ für Wertzuwächse von sieben bis acht Prozent bekannt. Mit anderen Worten: Die letzten Jahre waren nicht nur gut, sondern außergewöhnlich gut.

Dies sollte man nicht vergessen, wenn man eine Einschätzung über die zukünftige Entwicklung der Aktienkurse treffen will. Sollte die Entwicklung im gleichen Tempo weitergehen, steht der S&P 500 Mitte der 2020er Jahre bei 6.000 Punkten und kratzt Ende der Dekade mit 9.800 Punkten an der magischen 10.000-Punkte-Marke.

Wie realistisch eine solche Erwartung ist, muss jeder Anleger selbst entscheiden. Sollte die Performance des S&P 500 nur wieder zu ihrem langjährigen Durchschnitt zurückkehren, werden diese Punktestände natürlich nicht erreicht werden können.

Fällt die Performance des Index sogar unter ihr langjähriges Mittel zurück, könnte uns sogar eine sehr schwache Dekade bevorstehen. Denn eines sollte man an dieser Stelle nicht vergessen: Auch das langjährige Mittel von sieben bis acht Prozent war niemals eine Konstante. Schließlich gab es auch in der Vergangenheit gute und schlechte Börsenjahre.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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