Die eigene Recherche ist unerlässlich

Sie ist lästig und sie kostet Zeit, doch wer glaubt, auf sie verzichten zu können, der wird diese Sparsamkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit teuer bezahlen müssen. Die Rede ist von der Recherche, die wir als Anleger in jedem Fall leisten müssen, egal ob wir kurzfristig den Markt traden wollen oder uns langfristig in einem Unternehmen engagieren möchten.

Recherche ist gut, aber es gibt dabei so viele Punkte zu beachten, dass leicht der Überblick verloren geht. Welcher Punkt ist wichtig? Worum sollte ich mich als Erstes kümmern? Fragen wie diese sind nicht ungewöhnlich, gerade, wenn sich ein Anleger dem Markt zum ersten Mal nähert oder sich einen neuen Bereich, in dem er bislang noch nicht tätig war, erschließen will.      

Eine pauschale Antwort auf die Frage, was man in diesem Fall tun soll und mit welcher Aufgabe man am besten startet, ist weder möglich noch sinnvoll, zu verschieden sind die praktizierten Strategien, zu unterschiedlich die einzelnen Anleger, als dass eine Universallösung auf alle Fälle passen könnte.

Wichtig ist jedoch die Frage des Anlagehorizonts. Haben Sie die Absicht, eine Position nur für eine kurze Zeit, etwa für ein paar Tage oder gar nur für wenige Stunden, zu halten, sind die fundamentalen Aspekte unbedeutender. In diesem Fall macht es Sinn, sich bei der Auswahl des Wertpapiers und bei der Suche nach dem optimalen Einstiegszeitpunkt allein auf die Charttechnik zu konzentrieren.

Die Grenze zwischen traden und investieren nicht verwischen

Das ist naheliegend, denn ist der Einstiegszeitpunkt falsch gewählt, wird es schwierig, das Investment in der zur Verfügung stehenden Zeit noch ins Ziel, sprich in den Gewinn zu bringen. Manche Trader gehen deshalb so weit, dass sie sich um die mit ihrem Investment verbundenen fundamentalen Fragen überhaupt nicht kümmern.

Das können sie sich nur deshalb leisten, weil sie ein zuvor fixiertes Stoppmanagement praktizieren und Verluste konsequent realisieren. Nicht jeder Anleger kann das. Man hofft, dass sich der Kurs doch noch in die richtige Richtung entwickeln wird, handelt nach dem Motto „gut Ding will Weile haben“ und gibt dem Trade noch etwas Zeit.

So wird aus einem kurzfristigen Trade plötzlich eine mittel- oder sogar langfristige Investition. An dieser Stelle wird es gefährlich, wenn beispielsweise die Aktie, die man gekauft hat, nicht über jeden Zweifel erhaben ist. Die Verluste aussitzen zu wollen, kann in diesen Fällen leicht nicht nur zu einer Geduldsprobe, sondern auch zu einem Desaster führen.

Zu empfehlen ist es nie, aus einem kurzfristigen Trade ein langfristiges Investment werden zu lassen. Anleger, die diesen Weg dennoch beschreiten, tun sich jedoch leichter, wenn sie nur Aktien handeln, die fundamental über jeden Zweifel erhaben sind und sich zugleich in einem intakten Aufwärtstrend befinden.

Wer sich als Anleger kennt und weiß, dass er an dieser Stelle eine Schwäche hat, die sich nicht abstellen lässt, sollte deshalb nicht nur den Chart eingehend analysieren und nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt Ausschau halten, sondern ausreichend Zeit auch darauf verwenden, seine fundamentalen Analysehausaufgaben zu machen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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