Lobrede auf ein langweiliges Investment

Viele Anleger sind an den Kapitalmärkten nicht nur deshalb tätig, weil sie Geld verdienen möchten. Es ist auch der Kick, den die Börse gibt, der uns immer wieder Freude beim Zuschauen empfinden lässt. Liege ich mit meiner Einschätzung richtig, dass diese Aktie jetzt steigen wird und jene bald fällt?

Hoch volatile Aktien sind für diese Gruppe von Anlegern deshalb eine Freude. Sie wechseln so oft und so schnell die Richtung, dass jeder Börsentag eine willkommene, neue Herausforderung darstellt. Was für den einen Anleger jedoch die reinste Freude ist, wirkt auf den anderen so ansprechend wie ein stundenlanges Bad in Eiswasser.      

Diese Gruppe ist mit Trendaktien weitaus besser bedient. Das Problem bei dieser Gruppe von Aktien ist jedoch der Einstieg. Versucht man das Tief einer Korrektur zu erwischen oder steigt man prozyklisch ein, wenn wichtige Widerstände überwunden oder neue Hochs ausgebildet werden?

Weil sehr oft viele Einstiege nicht zum Ziel führen und vorzeitig ausgestoppt werden, ist diese Anlagestrategie für manche Anleger oftmals eine nicht zu unterschätzende emotionale Belastung. Das kann so weit gehen, dass Gewinne viel zu früh realisiert werden und unter dem Strich dennoch am Ende ein negatives Gesamtergebnis steht.

Dividenden sind langweilig

Wer als Anleger nicht den beständigen Kick oder die ganz dicken Kursgewinne sucht, sondern sich an der Börse ein beständiges Zusatzeinkommen generieren will, für den sind dividendenstarke Aktien eine ideale Anlageform. Einer der größten Unterschiede dieser Strategie im Vergleich zu anderen ist, dass diese Aktien nicht gekauft werden, um sie zu handeln.

Im Gegenteil: Das Ziel ist es, die Aktien zu kaufen, um sie langfristig zu besitzen und Jahr für Jahr oder wie es in Amerika üblich ist, Quartal für Quartal die Dividende zu kassieren. Wer diese Praxis verfolgt, für den stellt sich sofort eine philosophische Frage: Kann es langweilig sein, beständig Geld zu verdienen?

Weil Dividenden aus dem Gewinn finanziert werden, setzen sie kontinuierliche Zahlungen und ebenso beständige Gewinne voraus. Man investiert als Anleger somit bevorzugt in jene Unternehmen, die am Markt einen guten Stand haben. Das reduziert das Risiko und gibt dem eigenen Depot eine Sicherheit, die andere Strategien nicht bieten können.

Auch aus diesem Grund zählen Dividendenaktien oftmals zu den rentabelsten Anlagen. Man sollte auch nicht glauben, dass Unternehmen, die ordentliche Dividenden zahlen wachstumsschwach sind. Es gibt genügend Gegenbeispiele. Auch der Kurs dieser Aktien ist keine unendliche Gerade. Er schwankt ebenso wie die Märkte allgemein im Wind der wirtschaftlichen Entwicklung schwanken.

Deshalb erfordern auch die scheinbar so langweiligen und dennoch renditestarken Dividendenaktien eine ständige Beobachtung. Ist ihr Kurs zu hoch gelaufen, muss man ebenso verkaufen wie bei Wachstumsaktien und in der Krise kann ein antizyklischer Kauf oder Zukauf ebenso ratsam sein wie bei den volatileren Namen auf dem Kurszettel.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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