Geldpolitische Lockerung durch Zinserhöhung? In Japan kein Problem!

Wie absurd es mittlerweile in der internationalen Geldpolitik zugeht, zeigt ein Blick in den Fernen Osten. Hier experimentiert die Bank of Japan schon seit zwei Jahrzehnten mit dem Mittel der Geldpolitik. Der Erfolg ist zwar recht dürftig. Doch eines kann man der japanischen Notenbank nicht absprechen. Sie hat eine Vorreiterrolle und führte viele der umstrittenen Maßnahmen als Erste ein.

Dies könnte auch jetzt wieder der Fall sein, denn die Bank of Japan hat sich zum Ziel gesetzt, die Geldpolitik zu lockern, indem sie die Zinsen anhebt. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Geldpolitik soll dieses Mal nicht gelockert werden, indem die Zinsen gesenkt werden, sondern es soll der gegenteilige Weg einer Zinserhöhung beschritten werden.      

Was sich im ersten Moment ein wenig absurd anhören mag, ist eine Folge der Erkenntnis, dass das viele Geld aus dem Nichts, das die Bank of Japan in den vergangenen Jahren in den Markt gepumpt hat, zwar das Zinsniveau abgesenkt hat, die hinter der Krise stehende Wachstumsschwäche aber nicht beheben konnte.

Blickt man nur auf die Zinsen, so waren die Aktionen der Bank of Japan bislang erfolgreich. Das Zinsniveau sank und der Staat und die Unternehmen konnten sich günstiger refinanzieren. Probleme bereitete aber die Kehrseite der Medaille. Die niedrigen und später auch negativen Zinsen wurden von der Bevölkerung als Zeichen einer anhaltenden Krise verstanden.

Der Krisenmodus muss endlich verlassen werden

Eine Bevölkerung, die sich im permanenten Krisenmodus wähnt, wird beim privaten Konsum Zurückhaltung walten lassen und auch die Unternehmen werden ihre Investitionen mit einem besonders spitzen Bleistift durchrechnen. Beides führt dazu, dass man im Zweifelsfall lieber abwartet als riskiert, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

In dieser Situation hat die Bank of Japan, weil sie 2015 der Wachstumsschwäche nichts mehr entgegenzusetzen hatte, auf die Karte der negativen Zinsen gesetzt. An den Rentenmärkten sank die Rendite für die 10-jährigen Staatsanleihen daraufhin panikartig von plus 0,3 auf minus 0,3 Prozent.

Von dieser Marktreaktion überrascht führte die Bank of Japan die sogenannte Zinskurvenkontrolle ein. Das geschah mit dem Ziel, die Zinsen der 10-jährigen Anleihen bei ungefähr null  Prozent zu halten. Dieses Ziel konnte zunächst erreicht werden, obwohl die japanische Notenbank weiterhin im großen Stil Anleihen kaufte.

In diesem Jahr zeigte sich die Notenbank vom Markt allerdings ein weiteres Mal enttäuscht. Der Markt widersetzte sich dem vorgegebenen Zinssatz von null Prozent und das Renditeniveau fiel sogar unter das bisherige Tief auf ein neues Rekordniveau zurück.

Auf diese Form der Verweigerung reagierte die Bank of Japan mit dem nächsten Experiment. Nun werden verstärkt kurzfristige Anleihen gekauft, denn ein weiteres Absinken der langfristigen Zinsen soll verhindert werden. Damit sollen die Zinsen am langen Ende wieder steigen. Die Kreditnehmer sollen aber auch weiterhin in den Genuss niedriger Zinsen kommen. Dazu bleiben die Zinsen bei den Anleihen mit kurzer Laufzeit niedrig und negativ, während sie bei den langen Laufzeiten steigen sollen.

Ob dieses Experiment Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Entscheidend bleibt, dass die Geldpolitik nicht funktioniert. Wenn es stimmt, dass die niedrigen Zinsen eine Konsequenz der Krise sind und wenn die niedrigen Zinsen die neue Realität darstellen, dann muss der Normalzustand mittlerweile in eine dauerhafte Krise transformiert worden sein.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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