Dividendenaktien contra Wachstumsaktien? – Eine Alternative, die gar keine ist

Oftmals verfallen die Anleger in ein sehr hartes Entweder – Oder. Dahinter steht in vielen Fällen die Annahme, dass ein Unternehmen, das einen großen Teil seiner Gewinne in Form von Dividenden an seine Aktionäre ausschüttet, nicht mehr genug Geld übrighabe, um damit das Wachstum des eigenen Geschäfts zu fördern.

Diese Annahme ist ein Mythos, denn entscheidend ist an dieser Stelle nicht die absolute Höhe der Dividende. Auch die Dividendenrendite hilft an dieser Stelle nicht weiter, denn entscheidend ist allein die Ausschüttungsquote, also genau jene Zahl, die angibt, wie viel vom Gewinn als Dividende ausgeschüttet wird.     

Die meisten Unternehmen zahlen 30 bis 70 Prozent ihres Gewinns als Dividende aus. Mit einem solchen Verhältnis kann sowohl der Investor als auch das Unternehmen selbst in den meisten Fällen gut leben. Der Aktionär wird angemessen am Gewinn beteiligt und die Firma verfügt immer noch über genügend liquide Mittel, um ihr weiteres Wachstum finanzieren zu können.

Problematisch wird es allerdings, wenn deutlich mehr als 70 Prozent des Gewinns als Dividende ausgezahlt werden oder wenn einzelne Unternehmen sogar neue Kredite aufnehmen, damit sie ihren Aktionären eine höhere Dividende zahlen können. Von solchen Firmen sollten Sie sich als Aktionär fernhalten.

Mehr Umsatz um jeden Preis ist ein Irrweg

Aber ansonsten gilt auch für hohe Dividenden, dass sie nicht das Wachstum beeinflussen, denn dieses wird viel mehr durch Faktoren wie die Marktgröße, den Wettbewerb und die Innovationskraft des Unternehmens begrenzt als durch die gezahlte Dividende.

In einem gesättigten Markt wird es für jedes Unternehmen schwer werden, Umsatz und Gewinn weiter zu steigern. Mehr Geld oder sogar sehr viel mehr Geld zu investieren hilft oftmals nicht weiter, denn das Geld wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer für das Unternehmen unvorteilhaften Art und Weise eingesetzt werden.

Zugegeben: Das Unternehmen könnte als aggressiver Käufer im Markt auftreten und seinen Umsatz dadurch steigern, dass man Konkurrenten für viel Geld übernimmt. Dieser Schritt wird immer wieder gemacht. Aber ist er auch für den Aktionär von Vorteil?

Die Antwort dürfte in vielen Fällen nein lauten, denn es ist kaum anzunehmen, dass diese Übernahmen zu besonders günstigen Preisen realisiert werden. Viel eher ist zu erwarten, dass zu hohe Preise aufgerufen werden, sodass der Umsatz und der Gewinn der Konkurrenten zu teuer eingekauft werden.

Bevor man dies als Aktionär und damit Unternehmensmitbesitzer über sich ergehen lassen muss, ist es besser, an einer Firma beteiligt zu sein, deren Ziel es nicht ist, um jeden Preis zu wachsen, sondern stets das zu tun, was im ureigenen Interesse der Kunden, Mitarbeiter und Eigentümer ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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