2020 dürfte Schwierigkeiten haben an das gute Börsenjahr 2019 heranzukommen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 13. Januar 2020

Ein paar Tage ist das neue Börsenjahr schon alt. Viel gehandelt wurde noch nicht, denn erst heute Morgen kam die Masse der institutionellen Anleger aus den Ferien zurück. Was die Kurse der ersten zwei Tage des Jahres Wert waren, wissen wir deshalb erst zur Wochenmitte, denn gerade die professionellen Marktteilnehmer haben sich heute nicht blind in den Markt gestürzt.

Sie werden einen Teil des Tages damit verbracht haben, in Meetings und Strategiesitzungen über das weitere Vorgehen zu beraten. Vor einem Jahr war es verhältnismäßig leicht, eine passende Strategie für das neue Jahr zu entwickeln. Das zweite Halbjahr 2018 war von einer starken Korrektur geprägt gewesen und pünktlich zum Weihnachtsfest hatte der US-Markt gedreht und damit auch den anderen Märkten das entscheidende Signal zur Wende geliefert.      

Auch wenn Anfang Januar 2019 längst noch nicht klar war, dass das hinter uns liegende Jahr ein sehr guter Jahrgang werden würde, so war es damals doch recht naheliegend, schnell in den Markt einzusteigen und zumindest an einer potentiellen Erholungsrallye teilzunehmen. Dass aus dieser am Ende deutlich mehr werden würde, konnte man in den ersten Tagen des neuen Jahres noch nicht wissen.

Heute ist die Situation grundlegend anders. 2019 war mit Gewinnen von über 20 Prozent viel zu gut, als dass es nun nahtlos in diesem Stil weitergehen könnte. Das ginge nur, wenn die wirtschaftliche Realität in diese Richtung zeigen würde. Das tut sie aber nicht.

Zum Feiern ist es eigentlich zu früh

Die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China haben sich in den letzten Wochen ein wenig gelegt. Es gibt keine neuen Zölle und einen Phase 1 Deal von dem noch niemand so genau weiß, wie er eigentlich aussehen wird. Auch beim Brexit ist nun etwas klarer wann und in welcher Form es ihn geben wird. Doch wichtige Details müssen noch ausgehandelt werden. Klarheit herrscht auch hier vermutlich erst gegen Ende des Jahres.

Unternehmen brauchen aber genau die Klarheit, die augenblicklich noch fehlt, um ihre Investitionsentscheidungen fundiert treffen zu können. Entscheidungen werden immer unter Unsicherheit und Zeitdruck gefällt. Ist die Unsicherheit jedoch zu groß, wird die Entscheidung vertagt. Auch das ist letztlich eine klare Entscheidung. In diesem Fall eine Entscheidung für das Abwarten und gegen die sofortige Investition.

Weil sowohl im Handelsstreit wie auch beim leidigen Thema Brexit viele wichtige Details noch nicht klar sind, ist die Basis für neue Investitionen heute im Grunde noch ebenso dünn wie vor einem halben Jahr. Vor diesem Hintergrund einen neuen Boom bei den Investitionen zu erwarten, ist deshalb ambitioniert.

Wird Abwarten deshalb auch weiterhin die bevorzugte Devise in Unternehmenskreisen sein? Das ist zu befürchten. Für die Börse könnte dies bedeuten, dass die im Jahr 2019 voreilig eingepreiste Hoffnung auf eine wesentliche Verbesserung in diesem Jahr wieder ausgepreist werden muss, wenn die wirtschaftlichen Indikatoren nicht bald die Signale einer sich wesentlich verbessernden Konjunktur senden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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