Gold: Russland hat gute Gründe, diesen Weg zu gehen

Russland rüstet auf, nicht nur militärisch, sondern auch geldpolitisch. Dabei verfolgt die Regierung in Moskau seit Jahren ein klares Ziel: Man will das Land und seine Wirtschaft unabhängiger vom Westen, insbesondere von den USA und der von ihnen kontrollierten Weltleitwährung und Welthandelswährung Nummer 1, dem US-Dollar, machen.

Dass ist gerade für ein Land wie Russland leichter gesagt als getan, denn die russische Wirtschaft exportiert vor allem Rohstoffe und diese werden nach wie vor an den meisten Märkten in US-Dollar gehandelt. Echte Alternativen zum US-Dollar gibt es nur wenige. Man kann sie an den Fingern einer Hand abzählen. Es sind der Euro, der chinesische Yuan und das Gold.      

Der Euro hat in der Eurokrise 2011/12 viel von seinem Glanz verloren und die chinesische Währung ist nicht frei handelbar. Hier will die Peoples Bank of China bei der Kursgestaltung zu jeder Zeit ein gewichtiges Wort mitreden. Das macht den Yuan trotz der wirtschaftlichen Stärke, die China inzwischen erreicht hat, für ausländische Geschäftspartner als Währung uninteressant.

Bleibt noch das Gold. Für manche ein barbarisches Relikt, für andere die älteste und stabilste Währung der Welt. Selbst 5.000 Jahre Kulturgeschichte der Menschheit haben mit all ihren Pleiten und Pannen das Gold als Wertaufbewahrungsmittel nicht kompromittieren können.

Gold steht für Unabhängigkeit und Freiheit

Das wissen auch die Russen und wie den Chinesen ist auch ihnen klar, dass jede Währung, die später einmal den US-Dollar als Welthandels- und Weltreservewährung ablösen möchte, über eine solide Golddeckung verfügen muss. Das ist beim Rubel inzwischen der Fall. Der chinesische Yuan hingegen ist hinsichtlich seiner Golddeckung immer noch ein Leichtgewicht.

Nun wird man auch in Moskau nicht so vermessen und nationalistisch verblendet sein zu glauben, dass ausgerechnet der Rubel dem US-Dollar irgendwann einmal den Rang ablaufen könnte. Dazu ist die russische Wirtschaft zu klein und international viel zu unbedeutend.

Doch wer viel Gold besitzt, der wird unabhängiger und ist politisch und wirtschaftlich weniger erpressbar. Gehört man wie Russland zu den Ländern, die über nennenswerte Goldvorkommen verfügen, macht es somit Sinn, diese zu erschließen und das Gold an die Oberfläche zu befördern.

Genau das geschieht in Russland seit einigen Jahren in einem atemberaubenden Tempo. Seit drei Jahren meldet die landesweite Goldproduktion einen Rekord nach dem anderen. Im Jahr 2018 holte man 295 Tonnen Gold aus dem russischen Boden. Im ersten Halbjahr 2019 waren es schon 185,13 Tonnen. Gegenüber dem 1. Halbjahr war das ein Anstieg von 17,77 Prozent.

Eine Wette auf eine bessere Zukunft

Es ist nicht zu erwarten, dass Russland von diesem Weg kurzfristig abrückt, auch wenn die Goldproduktion in 2020 möglicherweise nicht mehr das Rekordniveau der Vorjahre erreichen sollte. Wichtig ist, dass das Gold gefördert wird und damit prinzipiell zu jeder Zeit einsetzbar ist.

Während andere Länder Schulden und Papiergeld aufhäufen, legt sich Russland einen immer größer werdenden Goldberg zu. An dieser Stelle agiert Vladimir Putin wesentlich cleverer und weitsichtiger als Donald Trump, Angela Merkel und Co. Die kommenden Jahre könnten davon bereits Zeugnis geben.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: