Aktien: Ist es Zeit zu gehen?

Von Warren Buffett weiß man, dass er mit Coca-Cola-Aktien einen großen Teil seines Vermögens aufgebaut hat. Weitaus weniger bekannt ist, dass dieser Teil seines Portfolios auch für große Verluste verantwortlich war. Gekauft wurden die Aktien im Jahr 1988 zu einem Preis von 2,45 US-Dollar. Heute notiert die Aktie bei über 54,00 US-Dollar.

Außerdem hat Warren Buffett in den Jahren seit dem Kauf rund 36 US-Dollar an Dividenden vereinnahmt. Was soll an diesem Investment also falsch gewesen sein? Der Fehler wurde in den Jahren 1999/2000 begangen. Damals waren nicht nur die Technologiewerte in schwindelerregende Höhen gestiegen. Auch Coca-Cola wurde mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 40 gehandelt. Das war zu viel.      

Eine so hohe Bewertung war durch das Wachstum nicht zu rechtfertigen und so tat die Börse nach der Jahrtausendwende bei Coca-Cola das, was sie auch in vergleichbaren Fällen immer wieder zu tun pflegt: Sie passt die Bewertungen an. Das bedeutet im günstigsten Fall, dass die Kurse über Jahre nicht mehr steigen, bis wieder ein normales Bewertungsniveau erreicht ist.

Im ungünstigsten Fall kann die Anpassung aber auch schnell vorgenommen werden. Dann sinken die Kurse crashartig und übertrieben wird auch in diesen Zeiten immer wieder, allerdings in die andere Richtung. Die Bewertungen fallen dann auf so tiefe Niveaus zurück, dass auch diese Kurse nicht berechtigt sind. Stören tut sich daran allerdings in der Regel niemand, weil allgemein Panik und Verzweiflung angesagt sind.

Wiederholung ausgeschlossen?

Heute stehen die Anleger und selbstverständlich auch Warren Buffett vor einem ähnlichen Problem, denn wieder sind die Bewertungen vieler Unternehmen in nicht mehr gerechtfertigte Höhen gestiegen.

Es ist egal, ob man das von Nobelpreisträger Robert J. Shiller vorgeschlagene CAPE-Ration, das den Preis einer Aktie im Verhältnis zu den Erträgen der letzten Jahre ins Verhältnis setzt, oder die von Andrew Smithers und Stephen Wright entwickelte Kennzahl Tobins q zu Rate zieht, die den Marktwert eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Wiederbeschaffungswert setzt, sie alle signalisieren eine starke Überbewertung des Marktes und damit für die Anleger eine unter der Oberfläche lauernde Gefahr.

Auch das von Warren Buffett entwickelte Buffett-Ratio, das die Marktkapitalisierung ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt setzt, sollte die Alarmglocken schrillen lassen. Bei Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway wird man bereits seit einiger Zeit vorsichtig und schiebt verhältnismäßig große Cashbestände vor sich her.

Vorsichtiger zu werden könnte für die Investoren insgesamt das Gebot der Stunde sein, denn die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs prognostizieren, dass der MSCI World Index in den nächsten fünf Jahren nicht mehr als ein Prozent Rendite abwerfen wird. Das ist deutlich weniger als in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt verdient wurde und dieses magere Prozent deckt auch nicht einmal die offizielle Inflationsrate.

Die Investoren werden daher nicht nur vorsichtiger sein müssen. Sie sollten sich auch Gedanken darüber machen, wie sie den zu erwartenden schwächeren Renditen in den kommenden Jahren begegnen wollen. Das gilt insbesondere für jene Investoren, die wie Versicherungen und Pensionskassen zur Finanzierung ihrer Ausgaben auf Renditen in einer gewissen Höhe angewiesen sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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