Argentiniens Gläubiger werden weiter leiden

Das Drama hatte sich im letzten Jahr bereits angekündigt: Argentinien steht vor einem gigantischen Schuldenberg, den das Land nicht mehr beherrschen kann. Mit einem Notstandsgesetz wurde die Rückzahlung der kurzfristig fällig werdenden Anleihen verschoben. Gelöst ist das Problem damit aber noch nicht.

Bereits achtmal hat das Land in seiner Geschichte Anleihen nicht fristgerecht bedienen können. Nun kämpft die neue Regierung in Buenos Aires darum, den neunten Ausfall von Verbindlichkeiten zu verhindern. Schon im Dezember hatte Argentiniens neuer Präsident Alberto Fernández bei seiner ersten Rede erklärt, das Land sei zwar gewillt, seine Schulden zu begleichen, aber dazu erst dann wieder in der Lage, wenn seine Wirtschaft wachse.      

Weil die argentinische Wirtschaft immer noch nicht da ist, wo sie sein müsste, um die fälligen Zahlungen zu leisten, wird nun zum zweiten Mal innerhalb von nur sechs Monaten die Rückzahlung der fälligen kurzfristigen Bonds verschoben. Vor dem 31. August 2020 können die Gläubiger dieser Kredite deshalb keine Rückzahlungen mehr erwarten.

Betroffen sind Anleihen im Wert von mehr als neun Milliarden US-Dollar. Das ist nur ein kleiner Teil der inzwischen auf 332 Milliarden US-Dollar angewachsenen Schulden des Landes. Zwei der großen Ratingagenturen, Fitch und Standard & Poor, haben bereits reagiert und die Bonität Argentiniens auf „RD“, das Kürzel für einen partiellen Zahlungsausfall, gesenkt.

Eine Herkulesaufgabe

Mit dieser Bonitätsstufe ist das Land nur noch eine Note vom neunten Zahlungsausfall entfernt. Um ihn zu verhindern, hat sich die neue Regierung im Parlament im Rahmen der Notstandsgesetzgebung verschiedene Vollmachten beispielsweise für die Steuerpolitik und für die Restrukturierung der Staatsschulden einräumen lassen.

Ob das reichen wird, ist fraglich, denn ohne eine Erholung der Wirtschaft, wird das Land kaum in die Lage versetzt werden, seinem Schuldendienst wieder normal nachkommen zu können. An dieser Stelle sieht die Lage aber alles andere als freundlich aus, denn ein Ende der Wirtschaftskrise ist nicht in Sicht. Auch für 2020 erwartet die Mehrheit der Ökonomen kein Ende der Rezession.

Nun sollen konstruktive Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für Abhilfe sorgen. Die betroffenen Anleger sind dennoch besorgt. Sie fragen sich, ob als nächstes auch die Anleihen mit mittleren und langen Laufzeiten von den Zahlungsausfällen betroffen sein werden.

Ein wenig Hoffnung macht, dass das neue Notstandsgesetz der Regierung erlaubt, Zentralbankreserven in Höhe von 4,6 Milliarden US-Dollar zur Bezahlung fälliger Schulden zu verwenden. Aber was sind 4,6 Milliarden US-Dollar, wenn kurzfristig mehr als neun Milliarden US-Dollar zu tilgen sind und insgesamt 332 Milliarden US-Dollar im Feuer stehen?

Die Suche nach Alternativen hat längst begonnen

Vor hundert Jahren zu Beginn der 1920er Jahre träumte alle Welt davon, so reich wie ein Argentinier zu sein. Viel geblieben ist von diesem sprichwörtlichen Reichtum nicht mehr und wer sich nur einen Moment zu lange der Frage widmet, wie Argentinien und all die anderen hoch verschuldeten Länder jemals ihre Schulden zurückzahlen wollen, der kauft demnächst statt Anleihen lieber Gold und Silber.

Auch deren Preis kann in einer Krise dramatisch zurückgehen. Das hat uns die Finanzkrise 2008/2009 deutlich vor Augen geführt, als auch der Goldpreis kurzfristig 20 Prozent seines damaligen Wertes verlor. Aber wenigstens sind die Investitionen in Gold und Silber nicht mit dem Risiko eines Forderungsausfalls verbunden.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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