Wenn alte Weisheiten sträflich missachtet werden …

Bernd Heim
By Bernd Heim / 22. Januar 2020

Schon Plutarch wusste, dass eine Ungleichheit zwischen Arm und Reich das älteste und zugleich fatalste Leiden für alle Republiken darstellt. An dieser Grundweisheit hat sich bis heute nichts Wesentliches verändert. Auch heute ist die Größe der Kluft zwischen Arm und Reich ein Indiz für die Stabilität des politischen Systems.

Eine ausgewogene soziale Struktur mit einer breiten und pulsierenden Mittelschicht zu schaffen und diese langfristig zu erhalten ist damit ein Gebot für das politische Überleben. Das weiß man auch in den herrschenden Kreisen und nur die Wenigsten dort verspüren die Lust, ihren großen Wohlstand hinter hohen Schutzmauern und in einer permanenten Angst vor einer Revolte der Armen genießen zu müssen.      

Dennoch werfen Kritiker den westlichen Staaten und ihren Notenbanken schon seit Jahren vor, dass sie mit ihrer Geldpolitik genau dieses fragile Gleichgewicht zerstören und damit die Gefahr heraufbeschwören, dass unsere Gesellschaften eines Tages an ihren inneren Ungleichheiten zerbrechen werden.

Die lockere Geldpolitik der Notenbanken schafft beständig neues Geld. Das Geld selbst hat aber keinen Wert in sich. Es ist lediglich ein Anspruch auf das reale Vermögen der Welt, also die Lebensmittel und Rohstoffe, die wir der Erde mit unserer Arbeit abringen, aber auch Häuser und die technische Produkte wie Autos und Rasenmäher, die wir in unseren Produktionsprozessen erst in zweiter Instanz erschaffen.

Geld ist nicht gleich Vermögen

Für unser Überleben sind allein diese Güter wichtig. Wer sie nicht hat, lebt ungesund, arm und ausgegrenzt. Geld allein hilft an dieser Stelle nicht weiter, denn das Geld stellt nur einen Mitanspruch auf die natürlichen und die produzierten Güter dieser Welt dar. Kann dieser Anspruch nicht eingelöst werden, hilft auch viel Geld nicht mehr weiter.

Das wird spätestens in Zeiten mit extrem hoher Inflation deutlich, wenn das Geld gewogen wird und man trotzdem nicht viel dafür bekommt. Dann ist zwar jeder im Land ein Millionär und die breite Mehrheit zugleich bettelarm. Es kommt deshalb darauf an, dass das Geld und die Güter dieser Welt, auf die es einen Anspruch begründet, in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen.

Daher sind weder Inflation noch Deflation zu wünschen. In einer Deflation werden zu viele Güter produziert, die niemand kaufen möchte. Das führt zunächst zu fallenden Preisen und am Ende zu Schuldnern, die ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können. In der Inflation wird aus heißer Luft beständig neues Geld geschaffen. Es entwertet allein durch sein Aufkommen die bereits bestehenden Ansprüche.

In der Geschichte hat die Welt immer wieder zwischen einem Überangebot an Waren und einem Überangebot an Papiergeld geschwankt. Die Phasen des Übergangs wurden von den Beteiligten oftmals als eine Phase eines massiven Vermögensverlustes erlebt.

Vermögenstransfer statt Vermögensverlust

Streng genommen handelte es sich aber nicht um einen Vermögensverlust, denn die realen Güter der Erde wie Boden, Nahrungsmittel, Häuser und Rohstoffe wurden nicht weniger. Sie verschwanden auch nicht für immer. Sie wechselten nur den Besitzer und wanderten von den Ahnungslosen und Nichtwissenden zu den Aufmerksamen und Weitsichtigen.

Den Ahnungslosen bleibt am Ende nur ein Haufen Geld. Das hört sich auf den ersten Blick recht verlockend an, ist aber in Wahrheit eine Katastrophe, denn Geld, für das man nichts mehr bekommt, ist wertlos. Es ist ein Anspruch, der sich irgendwann einmal in jene Luft auflösen wird, aus der er einst erzeugt wurde.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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