2020 ist das Jahr, in dem Sie in Rente gehen?

Einige Leser werden in diesem Jahr ihr Arbeitsleben beenden und in Rente oder Pension gehen. Andere haben diesen Schritt erst im nächsten Jahr oder vielleicht erst in einigen Jahren vor sich. Aber unabhängig von der Frage, ob der entscheidende Einschnitt bereits in diesem Jahr auf uns wartet oder später auf uns zukommen wird, es macht Sinn, sich mit diesem Wechsel frühzeitig gedanklich auseinanderzusetzen.

Zu erwarten ist, dass Sie insbesondere als Arbeitnehmer und Beamter kurz vor dem Austritt aus dem Arbeitsleben mit hoher Wahrscheinlichkeit über das höchste monatliche Einkommen verfügen werden, dass Sie in all Ihren Berufsjahren erzielt haben.      

Vor dem Hintergrund dieser vergleichsweise hohen Bezüge war es relativ einfach, die Ausgaben zu finanzieren, die Sie sich in der jüngeren Vergangenheit geleistet haben. So wie so mancher überflüssige Pfunde als Hüftgold mit sich durch die Gegend trägt, so schleppen wir in unseren Ausgaben auch oft die eine oder andere Belastung mit uns herum, die wir eigentlich nicht benötigen und deshalb kaum nutzen.

Wer nach dem Eintritt ins Rentenalter feststellt, dass zwischen der neuen Rente und dem alten Nettoeinkommen eine zu große Lücke klafft, der sollte hier ansetzen und sich finanziell auf eine Diät setzen, die dazu führt, dass wir nur noch die Leistungen konsumieren, die auch wirklich wichtig und notwendig sind.

Beschränkung auf das Wesentliche

Zur finanziellen Beschränkung auf das Wesentliche gehört auch, dass Kredite, so sie noch laufen, möglichst schnell zurückgezahlt werden. An den Darlehen verdienen in der Regel nicht die Schuldner, sondern die Kreditgeber. Bestehende Schulden schneller als ursprünglich geplant zurückzuzahlen, bringt immer eine hohe Rendite.

Die persönliche Freiheit steigt und die Rendite fällt auch deshalb höher aus als bei anderen Anlagen, weil die Zinsen für Verbraucherdarlehen, Dispokredite, Kreditkarten und andere Finanzierungen, die wir uns gönnen, auch in Zeiten niedriger und negativer Zinsen vergleichsweise hoch sind. Hinzu kommt, dass das ersparte Geld immer steuerfrei ist. Auch dieser Effekt treibt die Rendite.

Als Anleger werfen Sie immer wieder einen Blick auf Bilanz der Unternehmen. Sehen möchte man dabei einen positiven Cashflow. Ihr eigenes „Unternehmen“ sollten Sie in der gleichen Weise betrachten. Auch hier sollte am Ende des Monats noch Geld übrig sein. Schwierig wird der andere Fall, wenn am Ende des Geldes noch Monat übrig ist, denn mit immer weiter zunehmendem Alter sinkt zwangsläufig auch die Fähigkeit, sich zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen.

Ein wichtiger Schritt beim notwendigen Kassensturz ist die ungeschönte Offenlegung aller Einnahmequellen. Streuen Sie sich an dieser Stelle keinen Sand in die eigenen Augen, sondern legen Sie schonungslos offen, woher wie viel Geld kommt. Listen Sie jede Einnahmequelle auf und bewerten Sie auch, wie sicher oder unsicher die zu erwartenden Zahlungen sind.

Ehrlichkeit zu sich selbst zahlt sich aus

Zukünftige Verbesserungen wie zum Beispiel Dividendensteigerungen, die Auszahlung einer Lebensversicherung oder Rentenerhöhungen, sollten Sie dabei eher zu gering als zu hoch veranschlagen. Es ist immer einfacher, später mit mehr als mit weniger Geld als geplant auskommen zu müssen.

Wenn Sie über Einnahmen aus Kapitalvermögen, beispielsweise Fondssparplänen oder Aktieninvestments, verfügen, überlegen Sie sich gut, wie viel Geld sie regelmäßig aus diesen Quellen abziehen wollen, denn hohe Auszahlungen in frühen Jahren schmälern notgedrungen die Rendite in späteren Jahren. Dann könnte aber, etwa durch höhere Ausgaben für die eigene Gesundheit oder für fremde Pflegeleistungen, ein weitaus größerer Kapitalbedarf gegeben sein.

Kalkulieren Sie dabei auch die Dauer Ihres Lebensabends großzügiger. Die meisten Menschen orientieren sich unwillkürlich am Alter der eigenen Eltern. Das ist naheliegend, führt aber dennoch oft zu falschen Annahmen, denn die allgemeine Lebenserwartung ist heute deutlich höher als vor dreißig Jahren.

Last but not least: Denken und kalkulieren Sie nicht mehr in Überstunden. Während des Berufslebens ließen sich finanzielle Engpässe immer wieder mit etwas mehr Arbeit überbrücken. Diese Möglichkeit ist in Zukunft nicht mehr in der gleichen Weise gegeben. Weder die Rentenversicherung noch der Kapitalmarkt werden bereit sein, von Ihnen geleistete Überstunden in irgendeiner Weise zu vergüten.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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