Gold ist mehr als ein Krisenmetall

Im Januar waren die Medien wieder einmal voll von verzerrten Vorstellungen über die Funktion des Goldes in unserer Zeit. Da das Gold heutzutage seine traditionelle Funktion als Zahlungsmittel vollkommen verloren hat, ist nicht immer leicht verständlich, warum die Menschen das gelbe Metall dennoch kaufen und warum es am Goldmarkt immer wieder zu starken Preisausschlägen kommt.

Gerne wird in solchen Fällen auf das Gold als Krisenmetall verwiesen. Es wird von besorgten Anlegern gekauft, wenn Gefahren drohen und es wird sogleich wieder auf den Markt geworfen und verkauft, wenn die Bedrohung, vor der man sich schützen wollte, plötzlich nicht mehr gegeben ist.       

Die Folge sind starke Kursaufschläge, wenn die Krise beginnt, und ein noch viel kräftigerer Kursverlust, wenn sich die Welt wieder normal zu drehen scheint. Das Geschehen am Goldmarkt in den ersten Januartagen scheint diese These zu bestätigen, denn mit der Eskalation der Krise am Golf schnellte auch der Goldpreis empor. Kaum hatten sich die Wogen wieder beruhigt, war auch das Gold nicht mehr gefragt.

Vordergründig hatte sich die These vom Krisenmetall wieder einmal bestätigt. Einher mit der Bestätigung ging eine gewisse arrogante Sichtweise auf die Goldkäufer. Es muss sich bei diesen um notorische Angsthasen gehandelt haben, die kaum, dass der politische Konflikt am Golf mal mit etwas härteren Bandagen geführt wurde, sofort in den Goldbunker flüchteten.

Gold ist tot! Es lebe das Gold!

Geschieht es diesen überängstlichen Zeitgenossen nicht recht, dass sie durch das häufige Hin und Her Geld verlieren? Gewinnbringend kann ihre Angst nicht gewesen sein, denn wer so prozyklisch agiert, kauft in der Regel hoch und verkauft niedrig. Auf diese Art und Weise zu agieren, ist einer der sichersten Wege zu Verlusten.

Wieder haben die Kritiker Recht, denn das häufige Umschichten macht in der Tat nur die Broker und Depotbanken reich. Den so agierenden Anlegern hingegen bleibt nach Steuern und Gebühren, wenn überhaupt, nur eine äußerst bescheidene Rendite. Diese rechtfertigt den hektischen Aktivismus auf keinen Fall.

Klappe zu, Affe tot und das Gold wurde bei der Gelegenheit gleich mit erschlagen! Wieder einmal hat sich innerhalb kürzester Zeit bewiesen, dass das Gold kein gutes Investment ist, und dass man mit ihm alles kann, nur kein Geld zu verdienen. Die Feinde des Goldes haben erwartungsgemäß gesiegt und die Kritiker allen Grund, sich zufrieden zurückzulehnen.

Doch Moment! So schnell schießen die Preußen nicht! Die ganze Beobachtung der ersten Januartage bezieht sich nur auf eine sehr kleine Gruppe von Goldbesitzern. Allein sie stand im Blick der Medienberichterstattung. Über sie wurde berichtet, über die anderen hingegen geschwiegen.

Achten Sie auf die Goldbesitzer, nicht auf die Goldtrader

Die „anderen“ Goldkäufer haben zu Beginn der politischen Krise nicht gekauft. Sie haben auch nach ihrem Ende nicht verkauft und sie haben auch nicht am Terminmarkt agiert und Papiergold gekauft. Sie waren während der gesamten Krise weder Goldkäufer noch Goldverkäufer.

Sie waren vor der Krise Goldbesitzer, wie waren es während der Krise und sie sind es auch jetzt noch. Für sie ist das Gold keine Medizin, die es bei Gefahr schnell zu kaufen gilt, sondern eine Anlageklasse, die ihren Wert über Jahrhunderte sehr erfolgreich konserviert hat.

Gleiches kann man von Aktien, Immobilien, Papiergeld und Kryptowährungen nicht behaupten. Es bedarf keiner einzigen Krise um diesen Sachverhalt zu belegen. Eine römische Goldmünze hat auch heute noch ihren Wert, die meisten römischen Immobilien hingegen liegen in Trümmern.

Ein Anleger, der um diesen Zusammenhang weiß, hat zu jeder Zeit guten Grund, etwas Gold zu erwerben. Das geschieht am besten dann, wenn die Gold-ist-tot-Bewegung in den Medien wieder einen ihrer zahlreichen Siege feiert und der Goldpreis in den Keller geprügelt wird.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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