Dieses Edelmetall stellt alle anderen in den Schatten

Aktuell beherrscht das Palladium wieder die Schlagzeilen. Es setzt seine im August 2018 bei einem Preis von rund 800 US-Dollar je Feinunze gestartete Rallye unbeirrt fort und kostet inzwischen bereits über 2.200 US-Dollar je Feinunze. Gold, Silber und Platin, die anderen bekannten Edelmetalle, kommen da schon lange nicht mehr mit.

Das stärkste Edelmetall ist das Palladium damit aber noch nicht. Dieser Titel gebührt derzeit dem Rhodium. Sein Preis hat allein in dem noch kurzen Jahr 2020 um über 30 Prozent zugelegt. Zeitweilig wurden bereits wieder über 8.000 US-Dollar für eine Unze Rhodium bezahlt. Man muss in das Jahr 2008 zurückgehen, um eine Zeit zu finden, in der ähnlich hohe Preise aufgerufen wurden.      

Rhodium ist in Fachkreisen für seine extremen Preisschwankungen bekannt. Ein Grund dafür ist die Enge des Marktes. Pro Jahr werden im Schnitt kaum mehr als 180 Tonnen weltweit gefördert. In einem so kleinen Markt explodiert aber auch kollabiert der Preis unweigerlich, wenn die Nachfrage stark zu- oder abnimmt.

Die Produktion kann auf diese Schwankungen kaum reagieren, denn trotz des hohen Preises fördert keine Mine das Rhodium um seiner selbst willen. Es ist ein Abfallprodukt der Platin- und Nickelförderung. So wundert es nicht, dass die russische Norilsk Nickel als einer der größten Palladium- und Nickelproduzenten der Welt mit zehn Prozent der globalen Förderung auch einen großen Anteil am Rhodiummarkt hat.

Knappe Lieferungen und Spekulanten, die kaufen

Aktuell steigt der Rhodiumpreis auch deshalb so stark, weil das Angebot eher knapp, die Nachfrage aber recht groß ist. Benötigt wird das silbrig weiß glänzende Edelmetall vor allem von der Automobilindustrie. Sie setzt Rhodium zur Abgasreinigung in den Katalysatoren ein.

Aber auch die Chemische Industrie benötigt aus diesem Grund das Rhodium. Ein anderer Teil wandert in die Schmuckindustrie. Hier wird es dem weichen Gold beigemischt, um dieses härter und widerstandsfähiger zu machen. Auf diese Weise wird ein Ehering beispielsweise stoßfester und damit alltagstauglicher als es ein Ring aus 999er Feingold sein würde.

Zu dieser immer gegebenen, aber stets starken Schwankungen unterliegenden Nachfrage gesellt sich in diesen Tagen eine starke, zusätzliche Nachfrage von Seiten der Investoren. Sie haben das Rhodium als Krisenmetall für sich entdeckt. In diesem ausgesprochen engen Markt wirkt diese zusätzliche Nachfrage auf den Preis wie ein zugeschalteter Turbolader.

Bei den professionellen Edelmetallhändlern ist das Rhodium wegen seiner extremen Preisschwankungen ebenso beliebt wie gefürchtet. Obwohl der Preis im Januar vor allem aufgrund einer stärkeren Nachfrage aus Asien bereits stark angezogen hat, geht

Afshin Nabavi, der Handelsleiter der Raffinerie MKS PAMP Group in der Schweiz, laut Bloomberg, davon aus, dass der Rhodiumpreis in diesem Jahr die Rekordmarke aus dem Jahr 2008 von 10.100 US-Dollar pro Unze erneut erreichen und übertreffen wird.

Der Zug ist abgefahren

Macht es vor diesem Hintergrund für Privatanleger Sinn, auf den bereits rollenden Zug aufzuspringen und in Rhodium zu investieren? Die Antwort ist ein klares Nein, denn der Markt ist sehr klein und wenig transparent. Auch die Profis haben ihre liebe Mühe und Not, sich sicher in ihm zu bewegen.

Außerdem mahnt das Jahr 2008 zur Vorsicht. Als damals der Preis auf das Rekordniveau von 10.100 US-Dollar je Feinunze anstieg, stellten die Hersteller sehr schnell auf das deutlich billigere Platin und Palladium um. Eine derartige Entwicklung könnte auch jetzt wieder anstehen, sollte sich der starke Preisanstieg aus den ersten Januartagen im weiteren Verlauf des Jahres fortsetzen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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