Diese Vorteile sollten Sie sich als Aktionär nicht entgehen lassen

Wenn die Börsen wie im vergangenen Jahr mit aller Macht aufwärts stürmen und von einem Hoch zum nächsten eilen, wird die Dividende gerne vergessen. Was ist schon eine Barzahlung von zwei oder drei Prozent, wenn die Kurse um zehn, zwanzig oder gar dreißig Prozent steigen?

Das Jahr 2019 war ohne Frage ein gutes Börsenjahr – eines der besten überhaupt. Es war aber auch kein gewöhnliches Jahr. Entwicklungen wie in den vergangenen zwölf Monaten kann es nicht in jedem Jahr geben, auch wenn es im Moment so aussehen mag, als sei 2020 eine nahtlose Fortsetzung der Erfolgsgeschichte von 2019.       

In normalen Börsenjahren haben Dividendenzahlungen daher einen viel größeren Einfluss auf die Entwicklung eines Depots als es im Jahr 2019 der Fall war. Neue Berechnungen der Allianz Global Investors (GI) haben gezeigt, dass gemessen am MSCI Europ-Index im Zeitraum von 1974 bis zur Gegenwart die Gesamtrendite eines Depots zu 38 Prozent von den vereinnahmten Dividenden bestimmt wurde.

Diese Zahl sollte jeden Anleger hellhörig machen, denn wenn ein Faktor zu mehr als einem Drittel über den Erfolg oder Misserfolg eines Investments mitentscheidet, dann kann dieser Faktor per se nicht unbedeutend und unerheblich sein.

Eine Alternative im Niedrigzinsumfeld

Da in Europa traditionell höhere Dividenden gezahlt werden als beispielsweise in Asien ist der Anteil der Dividende an der Gesamtrendite hier höher als im Fernen Osten. Aber auch dort tragen, wie die Allianz berechnet hat, die Dividenden zu einem Drittel zum Gesamterfolg des Portfolios bei.

Besonders gefragt sind dividendenstarke Aktien in Krisenzeiten und in Jahren mit einem besonders niedrigen Zinsumfeld. Beides ist derzeit gegeben. An Krisen und möglichen Konfliktherden mangelt es uns nicht und an den Anleihemärkten weisen mehr als ein Viertel aller ausstehenden Anleihen eine negative Rendite aus.

Eine hohe Dividendenrendite allein ist für den Anleger keine Garantie für ein erfolgreiches Investment. Wichtiger als die absolute Höhe ist, dass die gezahlten Dividenden vollständig aus dem freien Cashflow finanziert werden können. Müssen Schulden aufgenommen werden, um einen Teil der Dividende zu zahlen, wird die Substanz des Unternehmens geschädigt.

Ein solches Verhalten kann langfristig nie im Interesse der investierten Anleger sein, auch wenn es in den USA vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Zinsen derzeit besonders beliebt ist. Auch eine niedrige Ausschüttungsquote ist an dieser Stelle von Vorteil, denn wenn nur ein niedriger Prozentsatz des Gewinns ausgeschüttet wird, ist die Dividende bei einem einzelnen schlechteren Geschäftsjahr nicht gleich in Gefahr, gekürzt zu werden oder gar ganz auszufallen.

Ein Segen für die Aktionäre und die Unternehmen

Für den Anleger sind solche Dividendenzahlungen verlässliche Gewinne. Sie können gerade im Alter von großem Vorteil sein. Etwa dann, wenn beabsichtigt ist, einen Teil des eigenen Lebensunterhalts durch Entnahmen aus dem eigenen Kapitalvermögen zu bestreiten. Die Allianz Global Investors hat in ihrer Studie ermittelt, dass sich die Dividenden viel verlässlicher entwickeln als die Unternehmensgewinne. Für den Anleger wirken sich diese Erträge daher prinzipiell stabilisierend aus.

Auch aus Sicht der Unternehmen macht es Sinn, den eigenen Aktionären Dividenden zu zahlen. Eine in den USA im Jahr 2011 von Skinner und Soites veröffentlichte Studie kam zu dem Ergebnis, dass Firmen, die Dividenden zahlen, in Bezug auf die eigene Gewinnentwicklung eine höhere Beständigkeit aufweisen als jene Firmen, die keine Dividenden ausschütten. Auf die konkrete Höhe der Dividenden kommt es dabei nicht an.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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