An der Börse zum Millionär? Geht das?

Viele Anleger, die an der Börse tätig sind, hegen den Wunsch, über kurz oder lang in den Kreis der Millionäre aufsteigen zu können. Für viele Anleger wird dieser Traum immer ein Traum bleiben, während andere ihn durchaus verwirklichen können. Ob man selbst eher zu der einen oder der anderen Gruppe gehört, hängt weniger vom eigenen Können und mehr von der gegebenen Ausgangslage ab.

Wenn die Grundbedingungen stimmen, kann prinzipiell jeder sein Vermögen auf über eine Million Euro vergrößern. Dazu muss zunächst einmal Zeit zur Verfügung stehen. Jüngere Anleger sind gegenüber älteren Anlegern damit klar im Vorteil. Sie können auch bei geringerem Einsatz und schwächerer Rendite an ihr Ziel kommen, weil einfach mehr Zeit zur Verfügung steht.      

Wem allerdings die Jahre fehlen, der muss dieses Manko durch eine deutlich höhere Rendite oder durch ein wesentlich größeres Anfangskapital ausgleichen. Einmal mehr werden die Anleger an dieser Stelle mit dem Zinseszinseffekt konfrontiert. Er lässt auch ambitioniertere Ziele wie die besagte Million realistisch werden, wenn man das an der Börse verdiente Geld nicht für den eigenen Lebensunterhalt benötigt.

Damit ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt benannt: Damit das große Ziel erreicht werden kann, müssen die Gewinne vollständig reinvestiert werden. Man muss als Anleger in der Ansparphase somit über ein Einkommen verfügen, dass ausreichend groß bemessen ist, um die eigenen Ausgaben für den Lebensunterhalt vollständig abdecken zu können.

Wie viele Jahre dürfen es denn sein?

Man kann diesen Aspekt gar nicht hoch genug veranschlagen, denn wer sein Geld als Daytrader an der Börse verdienen will, der hat es bei gleichem Alter und gleich hohem Anfangskapital deutlich schwerer, die gewünschte Million zu erreichen, als ein Beamter oder Angestellter, der finanziell in einer gesicherten Position ist.

Auch die Höhe des Anfangskapital ist entscheidend. Hat man beispielsweise nur 5.000 Euro als Startkapital zur Verfügung und erzielt eine jährliche Rendite von 5,0 Prozent, sind 109 Jahre notwendig, um das Ziel zu erreichen. Mit 10.000 Euro Startkapital sind „nur“ 95 Jahre bis zur ersten Million notwendig. Realistischer wird das Ziel, wenn zum Start 250.000 Euro zur Verfügung stehen. In diesem Fall werden 29 Jahre benötigt.

Wer kein hohes Startkapital zur Verfügung hat, der benötigt somit eine besonders ertragreiche Strategie, um sein Ziel dennoch erreichen zu können. Hat der mit 5.000 Euro startende Anleger beispielsweise eine jährliche Rendite von 10,0 Prozent, sinkt die Zahl der Jahre, die bis zum Erreichen der Millionenschwelle vergehen auf 56. Das ist immer noch viel.

Erst bei jährlichen Renditen von 20,0 Prozent sinkt der benötigte Zeitaufwand auf 30 Jahre und damit auf einen wesentlich realistischeren Zeitraum. Man muss dann allerdings auch ein Anleger von der Güte eines Warren Buffet sein, der selbst auf eine jährliche Rendite von rund 22 Prozent kommt. Ob das für die meisten von uns eine realistische Annahme ist, sei einmal dahingestellt.

Setzen Sie sich realistische Ziele

Die Million mag ein phantastisches Ziel sein. Besser ist es allerdings, wenn wir uns der Börse mit realistischen Annahmen nähern. Wer hoch hinaus will, der sollte am Anfang möglichst viel Kapital mitbringen. Er sollte geduldig sein und über die Jahre eine hohe durchschnittliche Rendite erwirtschaften.

Diese Aspekte gelten für alle Anleger gleichermaßen. Individuell zu klären sind allerdings die Fragen, wie hoch das Startkapital ist, das für die Börseninvestition zu Beginn zur Verfügung steht. Der Betrag sollte möglichst hoch bemessen sein, das macht es leichter.

Er sollte aber auch nicht zu hoch bemessen sein. Denn wenn Geld, das eigentlich für andere Anschaffungen oder Ausgaben verplant ist, trotzdem an der Börse eingesetzt wird, kann leicht Stress entstehen. Aus diesem Stress können auch bei einer an sich gewinnbringenden Strategie leicht Verluste entstehen. Etwa dann, wenn Positionen vorzeitig im Verlust geschlossen werden müssen, weil das Geld gerade an anderer Stelle benötigt wird.

Wer nicht über das große Startkapital verfügt, wer beim Start bereits älter ist oder eine vorsichtigere Strategie verfolgen will und damit zwangsläufig auf eine niedrigere Durchschnittsrendite kommen wird, der sollte von Anfang an kleinere Brötchen backen und sich selbst realistischere Ziele setzen als es beispielsweise die Million ist.

Realitätssinn ist unverzichtbar

Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern viel mehr der Ausdruck einer wichtigen Anforderung, die an der Börse zum finanziellen und psychologischen Überleben immer wieder benötigt wird: eine realistische Einschätzung der gegebenen Situation und der eigenen Möglichkeiten.

Wer über diese Eigenschaft verfügt, wird auch mit kleinem Geld großen Erfolg haben. Wer über diese Fähigkeit nicht verfügt, der läuft Gefahr, aus einem großen Vermögen ein kleineres zu machen oder sogar ganz zu scheitern.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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