Hängt Ihr Reichtum auch an Donald Trump?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 11. Februar 2020

Beliebt ist US-Präsident Donald Trump in Europa nicht und doch sind viele ihm zu Dank verpflichtet, denn er hat im vergangenen Jahr die Auseinandersetzung mit der US-Notenbank für sich entschieden. Die Folge war ein radikaler Schwenk in der Geldpolitik der FED. Die Zinserhöhungen wurden zunächst gestoppt und in der zweiten Hälfte des Jahres sahen wir erneute Zinssenkungen.

Letzteres ist der mit Sicherheit wichtigste Treiber der Aktienmärkte. Die Wirtschaft kommt, vor allem in der alten Welt, nur langsam in Schwung. Das ist nicht der Stoff, aus dem die wirtschaftlichen Träume der Anleger gestrickt sind. Trotzdem eilen die Kurse seit Monaten von einem Hoch zum nächsten.       

Niemand wünscht sich ein vorzeitiges Ende dieser Party. So haben weder die Politik, noch die Notenbanken und erst recht nicht die Anleger ein gesteigertes Interesse daran, die Aufwärtsbewegung an den Märkten abzuwürgen und der Rallye vorzeitig den Todesstoß zu versetzen.

Man sagt es nicht gern, doch die Reichen dieser Welt brauchen Donald Trump. Sie wünschen ihm vier weitere Jahre im Weißen Haus und sich auch im zweiten Teil seiner Präsidentschaft einen Mix aus niedrigen Zinsen, viel Liquidität und kräftig steigenden Aktienkursen. Darauf hat der britische Historiker Nigall Ferguson Ende Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hingewiesen.

Derzeit deutet alles auf eine Wiederwahl

Die Chancen, dass diese Hoffnungen sich am Ende erfüllen werden, stehen gut. Auf republikanischer Seite gibt es keinen ernsthaften Herausforderer für den amtierenden Präsidenten. Die Amerikaner ihrerseits neigen dazu, einen amtierenden Präsidenten wiederzuwählen, es sei denn, der Wirtschaft geht es wirklich schlecht.

Danach sieht es momentan aber nicht aus. Zwar ist die US-Wirtschaft längst nicht so robust wie es Donald Trump uns glauben machen will, doch auf der Intensivstation liegt die US-Konjunktur auch nicht. Donald Trump hat zudem gute Chancen, den Handelsstreit und andere möglicherweise wahlentscheidende Themen rechtzeitig vor der Wahl im November vom Tisch zu bekommen.

Stören können den schönen Frieden eigentlich nur noch die Demokraten. Diese geben aber derzeit eher Empfehlungsschreiben für eine Wiederwahl Donald Trumps ab. Noch ist überhaupt nicht klar, wer auf demokratischer Seite Donald Trump im November herausfordern wird. Doch die Vorstellung, dass dies ein Bernie Sanders oder eine Elizabeth Warren sein könnte, lässt vielen Anlegern die Haare zu Berge stehen.

Damit ist die entscheidende Stellschraube für den Börsenerfolg im Jahr 2020 benannt. Ob das Jahr am Ende als ein gutes oder schlechtes in die Geschichte eingehen wird, dürfte sich Anfang November in der Wahlnacht entscheiden. Wird Donald Trump wiedergewählt, dürfte die mit viel billigem Geld aus dem Nichts angetriebene Party weitergehen.

Ein Tag dürfte das Börsenjahr 2020 entscheiden

Gewinnt hingegen ein demokratischer Politiker vom linken Flügel die Wahl, dürfte das Börsenjahr 2020 auch bei zunächst gutem Verlauf kaum noch zu retten sein. Die Anleger sollten dann nicht nur bei den US-Gefängnisaktien, sondern auf breiter Front mit starken Kursverlusten rechnen.

Weil vielen Anlegern bewusst ist, dass eine solche Entwicklung im November im Falle eines demokratischen Wahlsiegs droht, wird sich Donald Trump im Vorfeld über viel Unterstützung von der Wall Street freuen dürfen. Das wird den bald beginnenden Wahlkampf 2020 deutlich vom Wahlkampf des Jahres 2016 unterscheiden.

In diesem Monat beginnen die US-Vorwahlen, aber erst im nächsten Monat kommt der Zug der Wahlkämpfer erst so richtig ins Rollen. Für die Börse bedeutet dies, dass je nach Verlauf der Vorwahlen und der aktuellen Meinungsumfragen, die Kurse mehr oder weniger unter Druck kommen können.

2020 verspricht vor diesem Hintergrund ein hektisches Börsenjahr zu werden. Zu früh festlegen sollte man sich allerdings nicht, denn die finale Entscheidung wird erst Anfang November getroffen und wer sich an den November 2016 zu erinnern vermag, der weiß, dass es ganz anders kommen kann, als von der Mehrheit erwartet.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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