Das Corona-Virus offenbart Chinas gewachsene Bedeutung

In China beherrscht das Corona-Virus schon seit einiger Zeit die Schlagzeilen. Das tägliche Leben ist massiv betroffen und das halbe Land sitzt am falschen Ort fest. Wäre 2020 ein normales Jahr könnte man erwarten, dass sich in den letzten Tagen eine große Reisewelle in Bewegung gesetzt hätte.

Die Ferien zum chinesischen Neujahr gehen zu Ende und ein jeder begibt sich wieder zu seinem Studien- und Arbeitsplatz. In diesem Jahr werden viele Chinesen länger zu Hause bei der Familie sein können. Ganze Regionen sind abgesperrt, wichtige Flug- und Zugverbindungen unterbrochen und die Menschen bleiben zu Hause.       

Sie tun dies, weil man es ihnen geraten hat, aber auch aus Angst. Angst hat inzwischen auch die Börsen erfasst. Noch weiß keiner, wann die Krise endet und wie schwer oder wie leicht die Konsequenzen sein werden, die sie wirtschaftlich hervorrufen wird.

Immer wieder taucht der Vergleich zur SARS-Epidemie im Jahr 2002 auf. Der Vergleich ist angemessen, denn beide Viren könnten am Ende eine ähnlich lähmende Entwicklung auf die Weltwirtschaft haben und er ist zugleich vollkommen unangemessen, denn heute hat China ein deutlich größeres Gewicht als im Jahr 2002.

Aus dem Zwerg ist ein Riese geworden

Ein kurzer Blick auf einige der wichtigsten Produktionszahlen zeigt, warum die SARS-Epidemie nur bedingt als Muster für mögliche Schäden des Corona-Virus taugt. Im Jahr 2002 konsumierte die Volksrepublik 6,6 Prozent des weltweit geförderten Erdöls. Heute wird ein doppelt so hoher Anteil im Reich der Mitte verbraucht, denn China verbrauchte 2019 13,5 Prozent der weltweiten Förderung.

Auch bei den wichtigen Basismetallen Kupfer, Stahl und Aluminium haben sich die Gewichte deutlich verschoben. Als 2002 die SARS-Epidemie ausbrach, verbrauchte China 22,6 Prozent des weltweit hergestellten Stahls und 17,8 Prozent der globalen Kupferproduktion. Beim Aluminiumverbrauch hatte das Land einen Anteil von 16,5 Prozent.

Heute werden 47,5 Prozent, also knapp die Hälfte des weltweit produzierten Stahls in der Volksrepublik verbraucht. Beim Kupfer und Aluminium steht das Reich der Mitte für mehr als die Hälfte des globalen Bedarfs. 53,3 Prozent des globalen Kupfer- und 57,3 Prozent der weltweiten Aluminiumproduktion werden hier verbraucht.

Von Akkus und der Elektromobilität war 2002 noch nicht groß die Rede. Deshalb sind die Zuwächse beim Nickel besonders extrem. Im Jahr 2002 verbrauchte China nur 7,2 Prozent der weltweiten Produktion. Im vergangenen Jahr waren es 53,3 Prozent. Stolze 64,3 Prozent aller Eisenerzimporte gehen derzeit nach China. Im Jahr 2002 ging nur etwas mehr als jede fünfte Tonne Eisenerz, die verschifft wurde, in die Volksrepublik.

Kurzfristig ist die Angst der Rohstoffmärkte berechtigt

Diese Zahlen belegen eindrucksvoll, wie stark die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft im Allgemeinen und den Rohstoffsektor im Besonderen gewachsen ist. Dass eine anhaltende Corona-Virus-Epidemie die Wachstumszahlen für 2020 stark beeinflussen kann, liegt somit auf der Hand.

Dass diese kurzfristig den Rohstoffen und ihren Preisen schadet, war in den vergangenen Tagen durch die zum Teil deutlichen Preisabschläge bereits zu spüren. Wer als Investor aber nicht davon ausgeht, dass das Corona-Virus einen großen Teil der chinesischen Bevölkerung dahinraffen wird, der erkennt in den deutlich zurückgekommenen Rohstoffpreisen mehr Chancen als Risiken, denn nach dem Ende der Epidemie könnte sich die Nachfrage aus dem Reich der Mitte schnell wieder normalisieren und mit der Nachfrage selbstverständlich auch die Preise.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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