Die Scheidung als Risiko für das Leben im Alter

Es ist hinlänglich bekannt, dass Ehen und Partnerschaften heute nicht mehr so lange halten wie in früheren Jahren. Die Scheidung ist längst nicht mehr die Ausnahme, sondern vielfach die Regel. Das hat nicht nicht nur emotionale Konsequenzen. Auch finanziell hat unsere Gesellschaft auf diese Entwicklung zu reagieren.

Selbst wenn die Ehe nicht im Rosenkrieg endet und die während der gemeinsamen Zeit angesparten Gelder und Vermögenswerte gerecht geteilt werden, stehen viele Paare dennoch vor einem gewaltigen Problem, denn das Geld, das im Alter für ein gemeinsames Leben durchaus gereicht hätte, reicht nicht aus, um zwei Singles zu ernähren.      

Ein Paar, das zusammenzieht, kann sich viele Ausgaben sparen. Es wird nur noch eine Haftpflicht- oder Hausratversicherung benötigt und auch die Rundfunkgebühren oder die Kosten für die Müllabfuhr müssen nur einmal entrichtet werden. Bei einer Scheidung kehrt sich dieser Effekt unweigerlich wieder um.

Scheidungen gleichen einander aber nicht wie ein Ei dem anderen. Deshalb liegt auch hier der Teufel wieder im Detail. Unabhängig von der Frage, ob es einen Ehevertrag gab oder die Ehe als Zugewinngemeinschaft geführt wurde, in der Regel werden die für das Alter angesparten Beträge unterschiedlich hoch sein.

Keine einheitliche Ausgangssituation

Schon vor der Ehe verliefen die Lebensläufe unterschiedlich und in der gemeinsamen Zeit, sind die Frauen auch heute noch stärker in die Kindererziehung involviert als die Männer. Daraus resultieren schnell längere Zeiten, in denen nicht oder nicht Vollzeit gearbeitet wurde.

Wurde vor der Hochzeit ein Ehevertrag geschlossen, ist die „Scheidung des Vermögens“ ein vergleichsweise einfacher Vorgang, denn es gibt kein gemeinsames Vermögen über dessen Verteilung man sich einigen müsste. Jeder besitzt das, was er selbst verdient hat.

Wesentlich komplizierter ist die Lage bei Zugewinngemeinschaften. Hier gilt es, einen Weg zu finden, der beiden Seiten gerecht wird, ihre Lebenssituation berücksichtigt und auch die für die Familie erbrachte Leistung angemessen würdigt. Das ist oftmals aber viel leichter gesagt als in konkrete Entscheidungen umgesetzt.

Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Punkt, der oft übersehen wird. Da die Masse der Scheidungen nicht unmittelbar vor dem Eintritt ins Rentenalter erfolgt, verändert die Trennung auch die Möglichkeiten der nun getrennten Partner für das eigene Alter weiter vorzusorgen.

Altersrisiko Scheidung

Weil zwei einzelne Wohnungen meist teurer sind als eine gemeinsame und viele unverzichtbare Dinge nun wieder doppelt angeschafft werden müssen, wird es in vielen Fällen so sein, dass sich nach einer Scheidung beide Partner schlechter stehen als in der Ehe.

Das Geld, das nun wieder für die zwei getrennten Haushalte gebraucht wird, kann nicht gleichzeitig für das Alter gespart werden. Es wird zwangsläufig auf beiden Seiten im Alter fehlen. Der Zinseszinseffekt macht sich an dieser Stelle besonders unangenehm bemerkbar.

Auf sein Erspartes nur noch geringe Zinsen zu bekommen, ist bitter. Viel bitterer ist aber, nicht genug sparen zu können, um überhaupt Rücklagen für das eigene Alter aufbauen zu können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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