Das große Zittern vor der Wahl hat begonnen

Bernd Heim
By Bernd Heim / 27. Februar 2020

Die ersten Wochen des Jahres 2020 liegen hinter uns und gerade mit dem Start im Januar dürften die meisten Anleger sehr zufrieden gewesen sein. Er erwies sich als eine beinahe nahtlose Fortsetzung der Entwicklung der letzten Monate in 2019 und brachte den meisten Börsen deutliche Zugewinne.

Dann kamen mit dem Iran-Konflikt und dem Corona-Virus plötzlich Ängste auf. Die Nervosität stieg und mit ihr erhöhte sich auch die Volatilität an den Märkten deutlich. Im Januar wurden die durch beide Sorgen ausgelösten Kursverluste schnell wieder aufgelöst, doch der umgehende Anstieg der Volatilität sollte den Anlegern eine Mahnung sein.      

Im weiteren Verlauf des Jahres könnten noch mehrere Ereignisse dieser Art auf uns zukommen, denn der eine Gefahrenherd, die Angst vor negativen Folgen des Corona-Virus, ist längst noch nicht vom Tisch und der andere, die politischen Gefahren, kommen mit der beginnenden US-Wahlsaison gerade erst in Schwung.

Verflüchtigt haben sich die anfänglichen Hoffnungen vieler Anleger, die Folgen des Corona-Virus könnten sich international und in China in einem sehr überschaubaren Ausmaß halten. Der bisherige Verlauf der Krankheitswelle spricht inzwischen klar dagegen. Nun rechnen die meisten Anleger zumindest für China mit wirtschaftlichen Folgen.

Die Überraschung kann hinter der nächsten Ecke lauern

Kaum eingepreist in die Kurse ist aber eine Ausdehnung der Krise auf die ganze Welt. Dazu muss sich nicht einmal das Virus selbst auch in vielen anderen Ländern stark ausweiten. Es reicht, wenn in China selbst die Lage so angespannt bleibt, dass die Regierung die bereits erlassenen Vorschriften zur Quarantäne beibehält.

Viele Betriebe müssten in diesem Fall über einen längeren Zeitraum geschlossen bleiben. Der dadurch entstehende Produktionsausfall würde sich nicht nur auf die wirtschaftlichen Statistiken des Landes auswirken. Die Märkte könnten daher im Lauf des Jahres in die Verlegenheit geraten, eine stärkere Abschwächung der Konjunktur in China in ihre Kurse einpreisen zu müssen.

Aber dieses Problem betrifft nicht nur China. Da die Weltwirtschaft inzwischen sehr stark vernetzt ist und Vorprodukte aus vielen Ländern zum Einsatz kommen, hätte ein anhaltender Produktionsausfall auch für andere Länder gravierende Folgen. Auch ein Land wie Deutschland könnte damit wesentlich stärker in den Bann der Krise gezogen werden als es die bisherigen Infektionszahlen vermuten lassen.

Der besorgte Blick über den Atlantik

Während das Corona-Virus eine neue Gefahr darstellt, war den Marktteilnehmern beim Blick auf die USA schon lange klar, dass die für November anstehende Wahl eines neuen Präsidenten viel Aufregung bringen wird und damit selbstverständlich auch in Form einer höheren Volatilität auf die Kurse durchschlagen wird.

Die Vorwahlen in den USA haben gerade begonnen und die ersten Ergebnisse dürften der Wall Street kaum gefallen haben. Bei den Republikanern scheint die Lage klar. Hier sieht sich Donald Trump keinem ernsthaften Rivalen gegenüber und sein Sieg – zumindest bei den Vorwahlen – scheint sicher.

Ganz anders stellt sich die Lage im demokratischen Lager dar. Hier hofft der Markt darauf, dass im November zumindest ein gemäßigter Kandidat gegen Donald Trump antreten wird. Aus den ersten Vorwahlen ging aber Bernie Sanders als Sieger hervor.

Für die Finanzmärkte ist es bislang eine unangenehme Vorstellung, dass ein politisch links stehender Kandidat wie er, Donald Trump im November herausfordern könnte. Sollte es tatsächlich so kommen, dürfte die Unruhe an den Märkten im Laufe des Jahres weiter zunehmen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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