Verschwinden bald viele Fonds und Fondsgesellschaften vom Markt?

Bernd Heim
By Bernd Heim / 28. Februar 2020

Seit drei Jahren befindet sich die Branche der Vermögensverwalter in einem Umbruch. Die Veränderungen sind sowohl zwischen den einzelnen Gesellschaften als auch innerhalb der Vermögensverwaltungen zu bemerken. Neben dem gestiegenen Kostendruck sind es derzeit vor allem die veränderten Kundenwünsche, die den Wandel beschleunigen.

Ein wichtiger Faktor des Wechsels ist das Aufkommen indexbasierter ETFs. Sie werden passiv gemanagt, das heißt, die enthaltenen Aktien werden exakt in der gleichen Größe und Verteilung nachgebildet wie beim Index selbst. Das spart Kosten, die in Form von günstigeren Gebühren an die Kunden weitergegeben werden können.       

Auf der Ebene der Vermögensverwalter bedeutet dies wiederum, dass die Margen für diese Produkte nur sehr gering sind. Wer hier überleben will, braucht eine gewisse Größe, um über die Runden zu kommen. Das stellt gerade für die kleineren Gesellschaften am Markt eine große Gefahr dar.

Gestiegen sind auch die Anforderungen von Seiten der Regulierungsbehörden. Dieser Effekt hat nach der Finanzkrise eingesetzt und ebenfalls zu einem spürbaren Konzentrationsprozess innerhalb der Branche geführt. Auch an dieser Stelle sind die kleineren Vermögensverwaltungsgesellschaften im Nachteil.

Sie verfügen nur über begrenzte Ressourcen. Muss bereits ein großer Teil der verfügbaren Mittel für die Auflagen der Regulierung aufgewandt werden, bleibt in vielen Fällen kaum noch etwas übrig, um innovative Ideen und neue Wege zu verfolgen.

Alles aus einer Hand

Das alles führt zu einem Konzentrationsprozess innerhalb der Branche. Die großen werden immer größer und viele kleinere Gesellschaften werden übernommen oder verschwinden aus dem Markt. Marty Flanagan, der Chef des Vermögensverwalters Invesco, schätzt, dass in Zukunft bis zu einem Drittel aller Vermögensverwalter verschwinden könnte.

Ein wesentlicher Grund für diesen Verdrängungswettbewerb sind die Kunden selbst. Sie drängen nicht nur immer stärker in passiv gemanagte Produkte, sondern bevorzugen auch, die Dienstleistung Vermögensverwaltung aus einer Hand zu beziehen.

Auch das begünstigt die Großen der Branche. Sie sind im Gegensatz zu den kleineren Anbietern in der Lage, breit gestreute Fonds ebenso anzubieten wie spezialisierte Fonds oder Anlagen in Private Equity. Der Schlüssel zum zukünftigen Wachstum ist die Fähigkeit, den eigenen Kunden ganzheitliche Lösungen für ihre Anlageformen anbieten zu können.

Weil die Großen auch an dieser Stelle naturgemäß im Vorteil sind, ist zu erwarten, dass die großen Vermögensverwalter wie die US-Giganten Blackrock, Vanguard oder State Street immer größer werden, während kleinere Anbieter immer stärker ins Hintertreffen geraten. Konsolidierungen sind daher zu erwarten und sie werden vor allem die mittelgroßen Anbieter betreffen.

Sie sind zu groß, um sich ausschließlich auf eine kleine Nische zu spezialisieren, in der sie hervorragend aufgestellt sind und über einen entsprechenden Expertenstatus verfügen, und sie sind zu klein, um im Konzert der ganz Großen mithalten zu können. Wundern Sie sich deshalb nicht, wenn Ihre Fondsgesellschaft in den nächsten Jahren mit anderen fusioniert, übernommen wird oder ganz vom Markt verschwindet.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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