Die Jahrtausendwende lässt grüßen

Dass die Börse ein ziemlich unruhiges und bisweilen auch hysterisches Wesen ist, hat sich unter den meisten Anlegern längst herumgesprochen. Übertreibungen gehören zur Tagesordnung. Sie finden immer wieder statt und sind auch in unseren Tagen keine Seltenheit.

Aktuell wird zur Oberseite hin übertrieben. Die am 18. Februar von Apple publizierte Gewinnwarnung unterstreicht das. Sie hat die Anleger nur kurzzeitig irritiert und man mag es kaum glauben: Obwohl Apple vor Umsatzeinbußen und möglichen Produktionsstopps in China warnte, waren die Kursverluste an der Börse nach nicht einmal 24 Stunden aufgeholt.      

Bei so viel Sonnenschein sollten die Anleger vorsichtig werden, denn dass die schlechten Nachrichten an den Kursen so einfach abprallen, ist nicht unbedingt ein Zeichen der Stärke. Eher ist es ein Zeichen für eine unbegründete Sorglosigkeit und damit letztlich für die Arroganz und Ignoranz der Anleger.

Ein Zeichen der Stärke wäre die Kursreaktion, würden die Kurse heute auf sehr tiefen Niveaus notieren. In diesem Fall würde die Kursreaktion andeuten, dass schlechte Nachrichten in den Kursen bereits enthalten sind. Die Masse der Aktien befindet sich in den sogenannten starken Händen und diese Aktionäre wissen nicht nur, warum sie gekauft haben, sondern sie sind nicht bereit, zu diesen Kursen auch nur eine einzige Aktie abzugeben.

Der Himmel ist wieder einmal die Grenze

Von diesen paradiesischen Zuständen sind wir derzeit meilenweit entfernt, denn die Aktienmärkte weltweit sind heute alles andere als preiswert und günstig bewertet. Im Gegenteil: Die Anleger sind voller Erwartungen und diese wurden in den vergangenen Monaten immer höher geschraubt.

Auch das ist an sich kein Grund zur Besorgnis, denn die Börse lebt von Erwartungen und in ihren Kursen spiegeln sich immer die Erwartungen für die Zukunft wider. Diese fallen allerdings derzeit sehr rosig aus. Schon für das vergangene Jahr sagten die Analysten zweistellige Wachstumsraten voraus.

Sie kamen nicht. Der Faktencheck ist eine einzige Enttäuschung, denn das Wachstum für das gesamte Jahr 2019 liegt in den USA bei ca. einem Prozent. Nach dem Flop vom Vorjahr, soll es dieses Mal aber klappen. Wieder sind sich die Anleger sicher und wieder soll das Gewinnwachstum im zweistelligen Bereich liegen.

Das aufkommende Corona-Virus hat einige Analysten die optimistischen Prognosen zwar wieder etwas zurücknehmen lassen. Doch auch ein Wirtschaftswachstum von acht Prozent ist immer noch eine ganz ordentliche Hausnummer.

Auch dieser Optimismus wäre nicht unbedingt ein Problem, wenn die Bewertungen niedrig wären. Das sind sie allerdings nicht. Der breite US-Markt notiert derzeit mit erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 19 und höher. Das sind Werte wie sie zur Jahrtausendwende während der Dotcom-Blase erreicht wurden.

Gesund ist das nicht

Eine unmittelbar bevorstehende Korrektur oder gar einen handfesten Crash kann man aus diesen Zahlen nicht ableiten. Der Markt notiert zwar auf unvernünftig hohen Niveaus. Doch er könnte noch eine ganze Zeit auf diesen hohen Niveaus verweilen und erst zu einem späteren Zeitpunkt in die Knie gehen.

Wann die Korrektur einsetzen wird, lässt sich kaum vorhersagen. Aber Sie sollten gewarnt sein und sich vom schönen Schein der beständig steigenden Kurse nicht blenden lassen. Früher oder später wird jede Übertreibung ihr Ende finden. – Jede!

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: