Sie haben Grund, sich vor diesem Monster zu fürchten

Unter dem Vorwand, die Inflation sei zu niedrig und die Wirtschaft immer noch zu schwach, haben die Notenbanken jahrelang die Zinsen gesenkt. Sie haben dies auch zu einer Zeit noch getan, in der eigentlich Zinsanhebungen schon längst das Gebot der Stunde gewesen wären.

Gefreut hat diese Reihe fortgesetzter Zinssenkungen nicht nur die Finanzminister. Auch auf Unternehmensseite wird, seit frisches Geld nichts mehr kostet, immer häufiger zugegriffen. Auf Seiten der Politik wie auf Seite der Unternehmen konnten so schmerzhafte Reformen zunächst umgangen und auf eine ferne Zukunft verschoben werden.      

Damit sind allerdings Monster entstanden, die schon bald an unsere Türen klopfen werden. Die Staatshaushalte und mit ihnen die Staatsschulden wurden extrem aufgebläht und es erhielten auch noch jene Unternehmen weiterhin Kredit, die schon längst nicht mehr kreditwürdig waren.

Die Größe dieses Monsters beunruhigt inzwischen auch die OECD. Sie warnt in einer neuen Studie nicht nur vor den Folgen der negativen Zinsen, sondern auch vor den Exzessen, die am Markt für Unternehmensanleihen entstanden sind. Die Inflation, die man sich eigentlich bei den Konsumentenpreisen erhofft hatte, hat inzwischen an den Finanzmärkten stattgefunden.

Sackgasse ohne Ausweg

Aktien und Immobilien sind so teuer wie noch nie. Die größte Blase ist allerdings an den Rentenmärkten entstanden. Hier haben die Notenbanken seit 2008 im Segment der Unternehmensanleihen einen überschaubaren Bereich zu einem unkontrollierbaren Monster herangezüchtet.

Bei ihrer verzweifelten Suche nach Rendite haben sich viele Anleger auch auf Spielwiesen gewagt, die sie unter normalen Umständen nie betreten hätten. Am Ende bekam so ziemlich jeder Geld, der noch ein paar Prozent Zinsen versprach und der Markt für Unternehmensanleihen hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf ein Volumen von rund 14.000 Milliarden US-Dollar verdoppelt.

Verschlechtert hat sich gleichzeitig die Qualität der Unternehmensanleihen. Heute hat die Bonität der Schuldner nicht mehr das Niveau von 2008. Die Kreditsummen sind höher, die Laufzeiten länger und was an Sicherheiten hinterlegt wurde, hat oft wenig Substanz.

Ein Anleger, der eine solche Anleihe kauft, egal ob direkt oder mittelbar durch seine kapitalbildende Lebensversicherung oder andere Sparformen, geht oft, ohne es zu wissen oder auch nur zu ahnen, ein hohes Risiko ein. Die paar Prozent Zinsen, die für diese Anleihen in guten Jahren noch vereinnahmt werden, können darüber nicht hinwegtäuschen.

Wehe, wenn der Ramsch zur neuen Normalität wird

In den vergangenen drei Jahren hatten etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) aller neu ausgegebenen Unternehmensanleihen ein BBB-Rating. Es ist zu erwarten, dass viele dieser Firmen in operative Schwierigkeiten geraten werden, sollte sich die Konjunktur abkühlen und eine Rezession heraufziehen. Eine Refinanzierung würde im Fall eines Abschwungs nur zu deutlich höheren Zinsen möglich sein.

Da viele dieser Firmen heute schon von der Hand in den Mund leben, sind für sie höhere Refinanzierungskosten eine Art Todesurteil. Leiden würden aber auch die gesunden Firmen. Auch sie hätten einen höheren Refinanzierungsaufwand und in den Depots der institutionellen Anleger würden sich massive Verluste ansammeln, denn viele dieser Anleihen müssten aus regulatorischen Gesichtspunkten verkauft werden.

Diese Verkaufswelle würde aber auf einen ausgetrockneten Markt treffen. Hohe Preise wird man dort nicht erzielen können und eine aufkommende Panik könnte schnell das gesamte Segment erfassen. Möglicherweise sehen wir bereits die ersten Anzeichen für die auf uns zurollende Monsterwelle, denn die Anleihen von Kraft Heinz und Macy’s haben in den letzten Tagen stark an Kreditwürdigkeit eingebüßt. Sie sind auf einen Junkbond-Status zurückgefallen.

Einige Marktbeobachter fürchten, dass diese Phänomene sich häufen könnten. Sie raten deshalb dazu, beim Kauf von Unternehmensanleihen nicht nur auf die Rendite, sondern vor allem auf die Qualität des Unternehmens zu achten und nur qualitativ hochwertige Papiere in die Depots einzukaufen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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