Die Rallye beim Palladium lockt viele Anleger. Zurecht?

Es ist der große Profiteur der Krise um die Dieselfahrzeuge und einer der ganz großen Stars unter den Edelmetallen seit August 2018: das Palladium. Die Preiszuwächse der letzten Jahre können sich sehen lassen. Betrachtet man allein die letzten vier Jahre, steht ein Kurszuwachs von 450 Prozent zu Buche.

Noch schwindelerregender werden die Zahlen, wenn man weiter in die Vergangenheit zurückgeht. Im Anschluss an das in der Finanzkrise erreichte Tief konnte ein Wertzuwachs von unglaublichen 1.300 Prozent erreicht werden. Die Rede ist dabei immer noch „nur“ vom physischen Edelmetall selbst, gekauft in Münzen- oder Barrenform, nicht von den Aktien der Palladiumproduzenten.      

Obwohl der Palladiumpreis im Februar auf über 2.700 US-Dollar je Feinunze anstieg und die Kursentwicklung der letzten Monate als ausgesprochen steil erscheint, kann man nicht davon ausgehen, dass sich die Entwicklung kurzfristig wieder in ihr Gegenteil verkehrt.

Der Grund dafür ist das anhaltende Produktionsdefizit. Benötigt wird Palladium als Material für die Herstellung von Katalysatoren zur Abgasreinigung. Hier wirkte der Dieselskandal ab 2015 als ein Beschleuniger der Entwicklung, denn er hat die Nachfrage der Autokunden hin zu Fahrzeugen mit Benzinmotoren verschoben. Für diese werden derzeit nur Palladiumkatalysatoren eingesetzt, während beim Diesel das Schwestermetall Platin zum Einsatz kam.

Das Angebotsdefizit dürfte fortbestehen

Gewonnen wird das Palladium heute in erster Linie als Beiprodukt aus der Produktion der Basismetalle Blei, Kupfer und Nickel. Eine größere Menge Palladium wird auch bei der Silberproduktion gewonnen. Beherrscht wird die Riege der Produzenten aber fast nur von zwei Ländern, denn Minen in Russland und Südafrika sind für fast 80 Prozent der Weltproduktion verantwortlich.

Über die größten Reserven verfügt Südafrika. Hier lagern über 90 Prozent der nachgewiesenen Reserven. Ein wesentlicher Grund für die Dominanz der Kaprepublik ist allerdings auch, dass für die russischen Reserven keine verlässlichen Daten vorliegen. Der in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegene Preis hat dazu geführt, dass die Neuraffination von Palladium aus dem Recycling eine immer größere Rolle spielt.

Unter den vier bekanntesten Edelmetallen Gold, Silber, Platin und Palladium ist das Palladium heute das Edelmetall mit der höchsten industriellen Verwendung. Kurzfristig ist dies ein enormer Preistreiber, denn mehr als zwei Drittel des geförderten Palladiums werden für die Herstellung von Autokatalysatoren verwendet. Da die Zahl der mit einem Katalysator ausgestatteten Fahrzeuge bis 2025 von derzeit knapp 76 Millionen auf zukünftig bis zu 90 Millionen ansteigen soll, ist kurz- bis mittelfristig weiteres Potential vorhanden. Ein schnelleres Aufkommen der Elektromobilität könnte den Palladiumbedarf anschließend aber sehr schnell wieder deutlich reduzieren.

Begünstigt wurde die rasante Preisentwicklung in der Vergangenheit auch durch massive Probleme auf der Angebotsseite. Die Höhe der russischen Palladiumbestände war schon zu Sowjetzeiten ein Staatsgeheimnis. Sehr oft haben die Russen mit dem Palladiummarkt gespielt und das Angebot künstlich verknappt. In den letzten Jahren kam hinzu, dass auch die südafrikanischen Palladiumminen durch technisch bedingte Produktionsausfälle aufgrund von Stromengpässen und Streiks eine rückläufige Förderung zu vermelden hatten.

Der Aufwärtstrend ist schon sehr weit fortgeschritten

Auch wenn sich die Lage in den letzten Monaten wieder gebessert hat, rechnet man bei Anglo American Palladium für das laufende Jahr mit einem Angebotsdefizit von 1,9 Millionen Unzen. 2018, als das weiße Edelmetall im Sommer seinen starken Anstieg begann, hatte das Defizit „nur“ bei 600.000 Unzen gelegen.

Analysten rechnen mittelfristig jedoch wieder mit einer Normalisierung des Marktes. Damit dürfte der Höhepunkt der Rallye bald erreicht sein. Für einen Einstieg in den physischen Palladiummarkt ist es viel zu spät, denn beim Kauf von Palladiummünzen oder -barren wird in Deutschland die volle 19%ige Mehrwertsteuer fällig.

Auch die Kurse der wichtigsten Palladiumminen sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Wer hier einsteigt, hat zwar den langfristigen Trend auf seiner Seite und kauft sich bei Norisk Nickel beispielsweise bei einem Unternehmen ein, das derzeit eine Dividende bezahlt, die je nach Tageskurs bei über zehn Prozent liegt. Dennoch ist ein gewisses Rückschlagspotential inzwischen vorhanden.

Alles in allem überwiegen derzeit noch die positiven Faktoren, sodass mit einem Ende der Palladiumrallye noch nicht unmittelbar zu rechnen ist. Dennoch sollten Anleger auch bei diesem Edelmetall im Hinterkopf behalten, dass die Bäume noch bei keinem Investment ewig in den Himmel gewachsen sind.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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