Nachkaufen oder nicht? Eine im Grunde einfache Frage!

Immer wieder wird den Privatanlegern der Vorwurf gemacht, ihre Verluste dadurch auszuweiten, dass eine im Minus stehende Position durch Nachkäufe verbilligt wird. Ein Profi tue das nicht, wird in diesen Fällen immer wieder erklärt und dann wird meist auch noch nachgelegt, dass echte Börsenprofis nur im Gewinn nachkaufen würden.

Vermutlich haben Sie eine solche Argumentation schon einmal gehört. Sie ist nicht unbedingt falsch, aber sie ist deswegen noch lange nicht richtig. Will heißen: Es kommt immer auf den Einzelfall an und Pauschallösungen sind für diesen selten der optimale Lösungsansatz.      

Wie geht man nun am besten vor? Zunächst einmal gilt es die Frage zu klären, ob die Grunde, die in der Vergangenheit für einen Kauf gesprochen haben, immer noch uneingeschränkt gelten. Es erübrigt sich zu betonen, dass man sich diese schwere Frage als Anleger immer mit der größtmöglichen Ehrlichkeit gegen sich selbst und seine offene Position beantworten muss.

Leicht ist das nicht, denn oft spielt uns die Psychologie einen Streich. Gerne werden dann in einer Form von selektiver Wahrnehmung nur die Aspekte gesehen, die für das ins Minus gerutschte Engagement sprechen. Anderes wird demgegenüber in den Hintergrund geschoben oder sogar vollkommen ausgeblendet.

Wenn sich die Dinge geändert haben, beginnt immer ein neues Spiel

Kommt ein Anleger nach sorgfältiger Prüfung zu der Ansicht, dass er eine frühere Investitionsentscheidung heute nicht noch einmal treffen würde und zwar nicht nur, weil der Zeitpunkt zum Einstieg falsch gewählt wurde, dann erübrigt sich jeder Gedanke an einen Nachkauf und eine Verbilligung der Position von selbst.

Vielleicht gibt man dem Investment noch eine Chance, vielleicht trennt man sich auch umgehend von ihm. Auch das hängt wiederum vom Einzelfall und den Umständen ab. Aber verbilligt wird die Position auf gar keinen Fall. Auch nicht, um später leichter ohne Verlust aus ihr herauszukommen.

Ganz anders ist die Lage, wenn die Gründe, die in der Vergangenheit für einen Einstieg gesprochen haben, auch jetzt noch ohne Abstriche gelten. Eine gute Firma wird nicht dadurch schlecht, dass der Markt sich nicht für sie erwärmen kann. Gerade wenn die Märkte zu Extremen neigen, schießen sie leicht über das Ziel hinaus.

Dann kann auch ein an sich richtiger Einstieg mit Blick auf das Timing plötzlich einen unangenehmen Beigeschmack haben. In diesem Fall sollte sich ein Investor durchaus das Recht nehmen, sich gegen die vorherrschende Marktmeinung zu stellen. Auch wenn dies zunächst höhere Buchverluste bedeutet.

Keine Pauschalierung bitte

Auch verbilligen kann in diesen Fällen eine geeignete Strategie sein, etwa dann, wenn man die Aktie intensiv geprüft hat und gute Gründe dafür bestehen, dem Markt eine partielle Blindheit zu unterstellen. Oft erhält man gerade in diesen Situationen die größten Geldgeschenke des Marktes.

Hüten sollte man sich als Anleger aber auch in diesem Fällen vor einer vorschnellen Verallgemeinerung, denn weder der Markt hat immer recht, noch der Investor oder Trader. Sie alle haben ihre Phasen, in denen sie kräftig danebenliegen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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