Gold: Folgen Sie der Spur der Notenbanken

Während die Medien noch immer dem schönen Schein huldigen, dass der Euro eine stabile und vor allem wertbeständige Währung sei, wissen die Notenbanken es längst besser. Sie behalten dieses Wissen meist für sich und tragen es dennoch von Zeit zu Zeit in die Öffentlichkeit.

Das tun die Notenbanken immer dann, wenn sie, weil vom Gesetz vorgeschrieben oder freiwillig, die Höhe ihrer Goldreserven bekanntgeben. Was die verschwiegenen Notenbanker vom Gold halten, weisen ihre Aktionen am Goldmarkt unzweifelhaft aus. Aus diesen Bewegungen kann auch der Laie seine Rückschlüsse ziehen.

War in den späten 1990er Jahren das Gold noch als barbarisches Relikt verschrien und wurde von den Zentralbanken eifrig verkauft, um mit dem Erlös „gewinnbringende“ Anlagen wie US-Staatsanleihen zu erwerben, stehen die Notenbanken beim Gold heute eindeutig auf der Käuferseite.

Gewechselt hat die Richtung vor etwa 15 Jahren. Zur Mitte der vergangenen Dekade standen einige, vor allem westliche, Notenbanken immer noch auf der Verkäuferseite. Doch vor allem im Fernen Osten begriffen die Zentralbanken, dass das finanzielle Heil nicht im US-Dollar und den auf ihn lautenden Staatsanleihen liegt.

Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht

Der Gesamtsaldo der Käufe und Verkäufe wurde plötzlich positiv. Er ist dies auch heute noch. Der Trend hat nicht gedreht. Mehr noch: Wurde zunächst eher zögerlich und in kleineren Mengen Gold zugekauft, sind heute auch Notenbankkäufe im großen Stil zu beobachten.

Zwei der größten Käufer sind auch weiterhin die Notenbanken Russlands und Chinas. Die russische Zentralbank hat in den vergangenen Jahren besonders stark zugekauft. Der Rubel ist deshalb in der Zwischenzeit das Papiergeld geworden, das weltweit über die größte Golddeckung verfügt.

Aber auch kleiner Länder kaufen Gold und sie erfreuen sich in der Zwischenzeit schon an beachtlichen Buchgewinnen. Polen ist ein Beispiel für diese Länder. Im Sommer 2018 begann die Zentralbank in Warschau damit, Gold zu kaufen. Fünf Milliarden US-Dollar investierte die Narodowy Bank Polski bis zum Sommer 2019 ins Gold.

Erworben wurden insgesamt 125,7 Tonnen Gold zu einem durchschnittlichen Preis von 39.600 US-Dollar pro Kilogramm bzw. 1.234 US-Dollar pro Unze. Es ist noch nicht lange her, dass die Polen ihre Goldkäufe beendet und das Gold in einer Geheimaktion von der Lagerstelle in London ins eigene Land geholt haben.

1,67 Milliarden US-Dollar Buchgewinn

Dennoch sitzt das Land dank des seit Mai 2019 stark gestiegenen Goldpreises in der Zwischenzeit auf einem Buchgewinn von 1,67 Milliarden US-Dollar. Bei einem Einsatz von „nur“ fünf Milliarden US-Dollar ist das eine stolze Rendite von 33 Prozent. Für ein Investment, das viele Anleger meiden, weil es angeblich keine Rendite bringt, ist dies ein stolzer Ertrag.

Er sollte auch private Anleger dazu verleiten, es den Notenbanken gleichzutun. Wenn die Hüter des Geldes schon kein Vertrauen in das von ihnen geschaffene Fiat Money haben, dann sollten es die privaten Anleger nicht anders sehen und – falls noch nicht geschehen – sich ebenfalls eine Goldabsicherung für den Fall der Fälle zulegen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: