Der Druck auf den Ölpreis sollte anhalten

Autofahrer können sich in diesen Tagen freuen, die Fahrten zur Tankstelle sind im Vergleich zum Jahresanfang günstiger geworden. Einerseits hat sich der Preis des Rohöls deutlich ermäßigt und in den letzten Tagen kam auch eine Stärke des Euros gegenüber dem US-Dollar hinzu.

So erfreulich dies ist, so schnell stellt sich aber auch die Frage, ob dieser angenehme Zustand uns noch länger erhalten bleiben wird. Die Chancen dazu stehen recht gut, auch wenn das für andere Bereiche unseres Wirtschaftslebens nicht unbedingt positiv sein wird.      

Ob uns die Stärke des Euros gegenüber dem US-Dollar erhalten bleibt, wird in erster Linie von den Zinsentscheidungen der US-Notenbank und der Europäischen Zentralbank abhängen. Der deutliche Zinsschritt der FED zu Beginn dieses Monats hat die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone gesenkt.

Das führte an den Devisenmärkten zu einer Aufwertung des Euros. Ob daraus eine mittel- oder sogar langfristige Trendwende werden wird, bleibt abzuwarten. Zieht die Europäische Zentralbank schnell nach und senkt auch ihrerseits den Zins, könnte der Euro im Vergleich zum US-Dollar wieder an Wert verlieren, was die Fahrten zur Tankstelle prinzipiell eher verteuern sollte.

Die Ölnachfrage dürfte schwach bleiben

Dominanter für die Benzin- und Dieselpreise wird aber die Entwicklung des Ölpreises sein. Hier hat sich die Lage für die Anbieter in den vergangenen Wochen ungünstig entwickelt. Während beständig neues Angebot auf den Markt drängt, bleibt die Nachfrage schwach.

Schuld an dieser nicht enden wollenden Angebotsschwemme sind in erster Linie die Schieferöl- und Ölproduzenten in den USA. Sie sind an die Beschlüsse der OPEC nicht gebunden. Ihre Marge ist zwar geringer als die der Produzenten am Golf und sie sinkt immer weiter, je stärker der Ölpreis zurückkommt, doch der hohe Schuldendruck lässt ihnen kaum eine andere Wahl, als zu produzieren, was die Quellen hergeben.

Die meisten Schieferölproduzenten haben ihre Produktion mit Krediten finanziert. Diese laufen weiter, egal, ob die Ölpreise gerade hoch oder niedrig sind. Eine sinkende Marge für die Produzenten sollte eigentlich bewirken, dass das Angebot reduziert wird und damit ein wieder steigender Ölpreis angestrebt wird.

Diesen Weg beschreitet seit Jahren die OPEC. In den USA gehen viele Produzenten aber einen genau entgegengesetzten Weg. Gerade weil die Margen sinken und damit die laufenden Einnahmen geringer ausfallen, muss hier mehr produziert werden, damit am Ende des Monats noch genügend Geld auf dem Konto vorhanden ist, um die laufenden Kredite finanzieren zu können.

Clever ist das nicht. Aber eine Alternative haben viele dieser Firmen auch nicht. Dies sollte auch weiterhin dazu führen, dass der Ölpreis tendenziell unter Druck steht. Erst recht, wenn die Welt in den kommenden Monaten zusätzlich auch noch in eine Rezession abrutschen sollte.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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