Silber im Vergleich zu Gold so billig wie zuletzt 1991

Es ist schon extrem, welche Verwerfungen derzeit an den Edelmetallmärkten zu beobachten sind. Sie haben Anfang März einen neuen Rekordwert erreicht, denn im Vergleich zum Gold war das Silber so preiswert wie selten zuvor. Man musste schon 29 Jahre zurück in den Februar 1991 gehen, um ein ähnlich hohes Gold-Silber-Verhältnis zu finden.

Mit diesem Ratio wird ausgedrückt, wie teuer oder preiswert, das Silber im Vergleich zum Gold ist. Wo das Gold-Silber-Verhältnis liegen sollte, ist unter den Anlegern höchst umstritten. Es gibt aber ein paar Anhaltspunkte. Der erste ist das geologische Verhältnis, der zweite sind historische Rekorde und Durchschnittswerte.      

Sie alle lassen aber unzweifelhaft eines erkennen: Im Vergleich zum Gold ist das Silber im Moment mit einem Gold-Silber-Verhältnis von weit über 90 ausgesprochen preiswert. Ganz extrem wird das Missverhältnis, wenn man auf die Geologie schaut. In den obersten Schichten der Erdkruste ist Silber 17 mal häufiger anzutreffen als das Gold.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass Silber heute in der Industrie in sehr vielen Anwendungen benötigt wird und dort faktisch unersetzbar ist, das geförderte Gold aber zu 90 Prozent gehortet wird, ist nur schwer zu verstehen, warum das Gold-Silber-Verhältnis Anfang März auf 95 klettern konnte.

Eine Chance für antizyklisch agierende Edelmetallinvestoren

Auch beim Blick auf die historischen Daten wird schnell sichtbar, dass der heutige Zustand nicht die Regel, sondern die Ausnahme ist. Unter das geologische Verhältnis von 17 fiel das Gold-Silber-Verhältnis nur einmal zurück. Das war um 1450, als Silber und Gold beide nur als Schmuck- und Geldmetall gebraucht wurden.

Wendet man seinen Blick auf die zurückliegenden Jahrzehnte, ist das heutige Gold-Silber-Verhältnis immer noch ausgesprochen hoch, denn in den letzten 40 Jahren schwankte der Wert in der Regel zwischen 50 und 55. Es gab natürlich Ausnahmen, etwa das Frühjahr 2011, als Gold nur noch 30 mal so teuer war wie das Silber.

Damals lag es für Edelmetallinvestoren nahe, das teure Silber zu meiden und das preiswertere Gold zu kaufen. Heute bei einem Gold-Silber-Verhältnis von über 90 ist es anders. Wer jetzt Silber kauft, der tut dies im Verhältnis zum Gold zu einem Preis, der nur etwas mehr als der Hälfte des durchschnittlichen Goldpreises gerechnet in Silberunzen entspricht.

Vor diesem Hintergrund verliert auch die oft als Argument gegen das Silber vorgebrachte Mehrwertsteuer ihren Schrecken, denn das Silber wird im Vergleich zum Gold derzeit mit einem so extrem hohen Abschlag gehandelt, dass auch 19 Prozent Mehrwertsteuer keinen Edelmetallanleger mehr vom Kauf des Silbers abschrecken können.

Das sollte auch dem klassischen Goldanleger zu denken geben, denn hier eröffnet sich allen, die langfristig denken, eine interessante Chance. Wer diese Chance für sich nutzen will, der spart weiteres Geld, wenn nicht klassische Silberbarren, die mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belegt sind, gekauft werden, sondern differenzbesteuerte Ware, bei der der deutsche Fiskus „nur“ mit 7 Prozent mit von der Partie ist.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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