Vorsicht: Wirtschaftlich naht der Winter!

Der Frühling wird in den nächsten Wochen immer mehr bei uns Einzug halten und die Tage werden heller. Wirtschaftlich dürften wir aber eine ganz andere Entwicklung vor uns haben. Sie erinnert eher an trübe, dunkle Wintertage denn an einen von der Sonne sanft erwärmten Frühlingstag.

Das Corona-Virus hat in den letzten Wochen einiges verändert. Es ist nicht der Grund der auf uns zukommenden Schwierigkeiten möglicherweise aber der Auslöser. In einigen Jahren wird man sich an den Beginn der nun in den Startlöchern stehenden Rezession möglicherweise so erinnern, wie wir es heute mit der Finanzkrise halten.      

Auch damals war die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers nicht der Grund für die nachfolgende Krise, wohl aber ihr Auslöser. Dem Corona-Virus könnte eine ähnliche Bedeutung zukommen. Es trägt wie 2007/2008 die Lehman Pleite mit dazu bei, dass sich Entwicklungen beschleunigen.

Vor 13 Jahren schwand zunächst das Vertrauen der Banken untereinander und schließlich auch das der Kunden zu ihren Instituten. Weil ohne die Banken in unserem Wirtschaftssystem nicht mehr viel läuft, griff die Krise im Finanzsektor recht schnell auf die Gesamtwirtschaft über.

Ein gefährliches Virus mit dem Namen Vertrauensschwund

In diesem Jahr könnte es ähnlich laufen, nur dass es dieses Mal vermutlich die Konsumenten sein werden, die das Virus mit dem Namen Vertrauensschwund in die Wirtschaftswelt hineintragen werden. Menschen, die nicht mehr konsumieren, weil sie kein Geld haben oder weil sie vor lauter Angst das Haus nicht mehr verlassen, sind für jedes Wirtschaftssystem eine enorme Gefahr.

Das Corona-Virus wütet noch nicht lange, doch schon jetzt bemerken viele Firmen, dass ihre Kunden zurückhaltender reagieren oder ganz wegbleiben. Dramatisch ist die Situation in China. Ein Einkaufsmanagerindex, der auf 40,3 Punkte einbricht und damit den niedrigsten Wert seit seiner Erhebung markiert, spricht Bände.

Nach der Finanzkrise war China die Lokomotive, die die Weltwirtschaft aus der Rezession gezogen hat. Heute ist das Land – um im Eisenbahnbild zu bleiben – der Prellbock auf den die Weltwirtschaft gerade auffährt. Es geht dabei nicht nur um Lieferketten, die zeitweilig unterbrochen werden.

Dieser Effekt ist unangenehm, aber nur vorübergehend. Viel stärker wirkt das Gift, das seit 2017 durch Donald Trumps Handelspolitik in die Welt gekommen ist. Der Protektionismus hat zugenommen und mit ihm das Misstrauen. Misstrauen nicht nur unter den Staaten, sondern vor allem das Misstrauen bei den wirtschaftlichen Entscheidungsträgern.

Es geht um Vertrauen, nicht um das Corona-Virus

Sie zögern ihre Investitionsentscheidungen zunächst hinaus und unterlassen sie am Ende ganz. Dieser Effekt geht nicht auf das Corana-Virus zurück. Er wird höchstens durch die Krankheit weiter beschleunigt. Die wahre Ursache für dieses abwartende Zögern liegt tiefer.

Das bedeutet im Gegenzug aber auch, dass sie nicht einfach verschwinden wird, wenn das Corona-Virus eines Tages seinen Schrecken verlieren wird. Die Hoffnung vieler Marktteilnehmer, dass die Wirtschaft nach dem Ende der Krankheitswelle schnell wieder in Schwung kommen wird, ist deshalb nur zum Teil berechtigt.

Es wird gewiss spürbare Nachholeffekte geben. Aber solange das grundlegende Übel des tief sitzenden Vertrauensverlusts in die Tragfähigkeit neuer Investitionen bleibt, dürfte sich an der Investitionszurückhaltung vieler Unternehmen nicht viel ändern. Das hat auch für den privaten Konsum Konsequenzen, denn Menschen, die um ihren Job fürchten, werden mehrheitlich eher sparen als das Geld mit beiden Händen in die Geschäfte zu tragen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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