Nicht jeder Insiderkauf ist ein Kaufsignal

Viele Aktionäre achten nicht nur auf die Bilanz eines Unternehmens. Sie achten auch sehr genau darauf, wie die Insider, also leitende Manager und Vorstände, ihr Unternehmen sehen. Dazu lesen sie nicht allein die offiziellen Stellungnahmen aus dem Unternehmen. Viel aussagekräftiger sind die stillen Statements, die abseits des Schreibtisches gemacht werden, wenn mit eigenem Geld und auf eigene Rechnung Aktien gekauft oder verkauft werden.

Man kann darüber streiten, ob Insider im Vergleich zu außerhalb des Unternehmens stehenden Aktionären ein besseres Marktgefühl und Timing haben. Ganz gewiss haben sie jedoch eine bessere Kenntnis des eigenen Unternehmens. Probleme wie Chancen werden früher erkannt, da man direkt an der Quelle sitzt und Informationen als Erster und aus erster Hand erfährt.      

Viele Privatanleger fühlen sich in ihren Aktieninvestments bestätigt, wenn sie anhand der Pflichtveröffentlichungen sehen, dass auch die Insider es ihnen gleich tun und weitere Aktien der Firma erwerben. Aber ist auch jeder Insiderkauf gleichzeitig ein Kaufsignal?

In der Tat ist es nicht sehr überzeugend, wenn ein Vorstand auf Konferenzen und Präsentationen ein Loblied auf sein Unternehmen singt, sich zwischen den einzelnen Veranstaltungen jedoch immer wieder von großen Aktienpaketen trennt. Anhaltende Insiderverkäufe sind deshalb immer ein Warnsignal, das man beachten sollte.

Nicht alle Insiderkäufe sind positiv

Während die Lage bei den Insiderverkäufen relativ einfach und eindeutig ist, kann man dies für den Bereich der Insiderkäufer nicht behaupten, denn nicht jeder Kauf auf Vorstandsebene ist Ausdruck eines ungetrübten Vertrauens in die Zukunft des eigenen Unternehmens.

Gerade bei angeschlagenen Unternehmen kann dieser Weg gewählt werden, um ein wenig von der teils noch verborgenen Misere abzulenken. In diesen Fällen kauft dann meist nur ein einzelner Vorstand und die Zahl der georderten Aktien ist ebenfalls nicht allzu hoch. Etwas anderes ist es, wenn nicht nur ein einzelner Manager kauft, sondern quer durch alle leitenden Führungsebenen immer wieder Zukäufe von Aktien über die Börse getätigt werden.

Einzelne Käufer sollten deshalb nicht überbewertet werden. Sie können gerade in den USA nicht Ausdruck eines steigenden Vertrauens in eine rosige Zukunft, sondern vielmehr ein Erfordernis der Arbeitsverträge der Vorstände sein, wenn diese beispielsweise vorschreiben, dass Aktien des eigenen Unternehmens in einem bestimmten Verhältnis zum Jahresgehalt gekauft werden müssen.

Es sollte deshalb nicht nur das gesamte Management mehr oder weniger regelmäßig auf der Käuferseite stehen, sondern es sollten Aktien auch in einer aussagekräftigen Stückzahl gekauft werden. Es macht einen Unterschied, ob ein Vorstand mit Millionensalär für 5.000, 50.000 oder 500.000 Euro oder US-Dollar Aktien des eigenen Unternehmens erwirbt.

Auf die Insideraktivitäten im eigenen Unternehmen zu achten, ist deshalb gut und richtig. Stellen Sie jedoch sicher, dass es die richtigen Insideraktivitäten sind. Ansonsten ist die Gefahr groß, dass Sie sich von einer Augenwischerei des Vorstands blenden lassen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: