Wichtige Fragen stehen zur Klärung an

Auch die größten wirtschaftlichen Laien werden in den vergangenen Wochen bemerkt haben, dass mit der Weltwirtschaft etwas nicht stimmt. Das Auftreten des Corona-Virus hat verunsichert. Es ist aber nicht nur die Angst vor möglichen gesundheitlichen Folgen, die uns den Schreck in die Glieder fahren lässt.

Unfreiwillig ist das Corona-Virus auch ein unerbittlicher Spiegel. Wer in ihn blickt, der wird unweigerlich und ungeschönt erkennen, wie es wirklich um unsere Wirtschaft und unser Finanzsystem bestellt ist. Prinzipiell ist der Blick in diesen Spiegel zu jeder Zeit möglich, wäre da nicht die eigene Bequemlichkeit.       

Ihr sind die Märkte im vergangenen Jahr zum Opfer gefallen. Wenn man gewollt hätte, wäre schon 2019 zu erkennen gewesen, dass es unter der schönen Oberfläche bereits erste Risse gibt. Die Finanzmärkte, insbesondere die Aktienmärkte, haben es jedoch vorgezogen, diesen unverstellten Blick auf eine möglicherweise unangenehme Wahrheit nicht zu riskieren.

Die Folge war eines der besten Börsenjahre der Geschichte. Jede Medaille hat jedoch ihre zwei Seiten und alles in der Welt hat seinen Preis. Der Preis für das damalige Glück wird in diesen Tagen bezahlt, wenn die Märkte, ohne mit der Wimper zu zucken, einen großen Teil der Gewinne wieder herschenken, den sie in den vergangenen Monaten aufgebaut haben.

Das System kommt früher oder später auf den Prüfstand

Manche hören in diesen Tagen bereits den Systemcrash an unsere Türen klopfen. Viele hoffen im Gegenzug darauf, dass es den Notenbanken noch einmal gelingen wird, Schlimmeres zu verhüten und größeren (Vermögens)Schaden von uns abzuwenden. Welches der beiden Lager am Ende Recht behalten wird, werden wir mit Sicherheit erst in einigen Monaten oder Jahren sagen können.

Klar dürfte allerdings schon jetzt sein, dass die Schlacht um das Fiat-Money-System von den Profiteuren des Systems nicht a priori verloren gegeben wird. Wir dürfen uns auf einen zähen Kampf gefasst machen und wir sollten deshalb auch damit rechnen, dass bei Bedarf alle – und auch wirklich alle – Hebel in Bewegung gesetzt werden.

Das bedeutet für die unmittelbare Zukunft, dass die Notenbanken rund um den Globus erneut dazu übergehen werden, Schulden, die nicht mehr bedient werden können, zu monetarisieren. Altes Geld wird mit frischem Geld ersetzt und die Notenpresse rotiert fröhlich vor sich hin.

Fraglich sind allein zwei Punkte. Der Erste ist die Frage, ob das bekannte Heilmittel immer noch so erfolgreich wirken kann wie vor zehn Jahren. Sollte diese Frage mit einem Nein beantwortet werden müssen, dürfte der Stress im System schnell sehr groß werden. Wird er sogar zu groß, wird es unangenehm.

Es gibt viel zu verlieren und wenig zu gewinnen

Die zweite Frage hängt mit der ersten eng zusammen. Es ist die Frage nach dem Vertrauen der Bevölkerung in die getroffenen Maßnahmen. Sie ist besonders schwer zu beantworten, weil dieses Vertrauen keine konstante Größe ist. Es wird nicht einmal ausgebildet und ist danach für alle Zeit in gleicher Form und Stabilität vorhanden.

Dieses Vertrauen ist vielmehr eine Flussgröße. Es kann wachsen, gleich bleiben, aber auch schwinden. Letzteres ist für das Fiat-Money-System eine Entwicklung, die sehr schnell sehr gefährlich werden kann, denn unser modernes Papiergeld beruht nicht auf echten Werten, sondern allein auf flüchtigem Vertrauen.

Ein Verlust dieses Vertrauens ist weder unausweichlich, noch soll er als unabänderlich vorab unterstellt werden. Aber er ist eine reale Gefahr. Deshalb muss jetzt vor allem eines verhindert werden, dass die Menschen im großen Stil das Vertrauen in „ihr“ Geld verlieren und plötzlich dem Ausgang zustreben.

Sollte dieses passieren, ist die durch das Corona-Virus unzweifelhaft gegebene Gefahr, das geringste Problem dem die Mächtigen in diesem Jahr gegenüberstehen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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