EZB: Inflationspolitik ohne Ende

Offiziell hat die Europäische Zentralbank die Zinsen auf ihrer letzten Sitzung am 12. März unverändert gelassen. Von vielen unbemerkt sind die Zinsen aber dennoch gesenkt worden. Erreicht wurde dies mit einer expliziten Begünstigung der Banken. Diese können sich bei der EZB nun zu einem Zinssatz finanzieren, der 0,25 Prozentpunkte unter dem Einlagenzins liegt.

Der Einlagenzins liegt bei 0,00 Prozent. Die Banken können sich bei der Europäischen Zentralbank in Zukunft Geld leihen, das sie bei Fälligkeit der Kredite nicht mehr vollständig an die EZB zurückgeben müssen. Diese Differenz ist ihr neuer Zinsgewinn. Damit verzichtet die Europäische Zentralbank darauf, die Geldinstitute weiter zu belasten.      

Man braucht in dieser Situation kein großer Prophet zu sein, um vorherzusehen, dass die Banken schnell dazu übergehen werden, sich in Zukunft benötigtes Geld nur noch bei der EZB zu leihen, wenn die angebotenen Konditionen dort wesentlich günstiger sind als am Kapitalmarkt.

Dadurch wird auch auf den Kapitalmarkt Druck ausgeübt, denn der dort herrschende Anlagenotstand wird weiter verschärft, weil die Nachfrage der Banken nach frischem Geld in Zukunft zur EZB umgeleitet werden wird. So erreicht die Europäische Zentralbank indirekt ein günstigeres Zinsniveau, auch ohne den Einlagenzins offiziell zurücknehmen zu müssen.

Der Inflationsdruck steigt

Die Vorteile liegen auf der Hand. Eine Zinssenkung wurde gewünscht, dennoch durften die Banken nicht weiter belastet werden, weil die vergangenen Jahre klar gezeigt haben, dass die Geldinstitute mit den negativen Zinsen nicht zurechtkommen und selber auszufallen drohen, wenn an der Zinsschraube noch weiter gedreht wird.

Das neue System stellt sicher, dass die Banken in jedem Fall Geld verdienen und somit eher in der Lage sind, Kreditausfälle besser verkraften zu können. Zahlen wird die Zeche wieder einmal der Steuerzahler, denn der hat die Einlagen der EZB, die jetzt die Verluste aus den neuen „Zinsgeschäften“ zu tragen hat, einst finanziert.

Gleichzeitig hat die EZB die Regierungen der Eurozone dazu aufgefordert, Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur einzuleiten. Diese können nach Lage der Dinge derzeit nur über neue Kredite finanziert werden, welche die EZB ebenfalls gerne bereitstellen wird.

Die Bilanzsumme der EZB und die der anderen Notenbanken auch wird sich in den kommenden Monaten stark ausweiten. Ob neue Schulden, also neues ungedecktes Geld, wirklich das ist, was die Welt in dieser Situation braucht, bleibt abzuwarten. Zu erwarten ist jedoch, dass die Inflation steigt.

Wer dieser großen Gefahr für sein Geld entgehen will, der wird auch in Zukunft um Investitionen in die Sachwerte nicht herumkommen. Da trifft es sich gut, dass sowohl die Aktien als auch die Edelmetalle dank der jüngsten Marktturbulenzen preiswerter geworden sind. Es macht also weiterhin Sinn, sich Qualitätsaktien und auch etwas Gold und Silber ins Depot zu legen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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