Das Märchen von der Liquidität ist entlarvt

In der Vergangenheit wurde die Einführung des Computerhandels und hier insbesondere die des umstrittenen Hochfrequenzhandels immer wieder damit gerechtfertigt, dass behauptet wurde, dieser Handel stelle eine zusätzliche Liquidität zur Verfügung und sichere das Geschehen an den Börsen dadurch ab.

Diese Aussage ist nicht vollständig unzutreffend. Die reine Wahrheit ist sie aber auch nicht, denn damit die behauptete Zusatzliquidität zur Verfügung steht, müssen die Computer auch angeschaltet sein. Eine Binsenwahrheit gewiss, aber deshalb noch lange keine Selbstverständlichkeit.       

Die vergangenen Wochen haben gezeigt warum. Mit der erhöhten Volatilität kamen die Computerprogramme nicht zu recht. Deshalb wurden sie nach und nach abgeschaltet. So weit, so verständlich. Damit war es dann aber auch mit der zuvor behaupteten zusätzlichen Liquidität schnell vorbei.

Weil sich auch die institutionellen Händler schnell aus dem Markt verabschiedeten und an die Seitenlinie stellten, trocknete der Börsenhandel immer weiter aus. Zwei Millionen Lufthansa-Aktien oder eine Millionen BMW-Aktien zu verkaufen, ist an normalen Tagen kein Problem.

Ohne Gegenpart werden Mücken zu Elefanten

Auch wenn die mit solchen Ordergrößen bewegten Gelder für Privatanleger im ersten Moment große Summen darstellen, sind Käufe oder Verkäufe in dieser Größenordnung im Interbankenhandel nicht mehr als die berüchtigten Peanuts. Wenn es heiß hergeht, werden auch ganz andere Ordergrößen ohne Probleme abgewickelt.

Nicht so in den letzten Wochen. Da waren Käufe oder Verkäufe selbst von DAX-Aktien in dieser Größenordnung nahezu unmöglich. Eine Konsequenz der fehlenden Liquidität waren die extremen und in vielen Fällen auch ungewöhnlichen Preissprünge, die am Markt immer wieder beobachtet werden konnten.

Erklären lassen sie sich u.a. durch die fehlende Liquidität. Kam eine an sich kleine, aber in diesen hektischen Tagen dennoch recht große Order herein, konnte es leicht sein, dass auch weit entfernt liegende Geld- oder Briefangebote extrem schnell abgeräumt wurden.

So konnten der DAX aber auch an sich liquide Einzelwerte schnell einmal um zwei, drei oder vier Prozent nachgeben oder steigen, je nach dem, was für eine Order gerade hereinkam und auf was für ein ausgedünntes Marktumfeld sie gerade traf. Damit dürfte allen klargeworden sein, dass der hochgelobte Computerhandel eine typische Schönwetterlösung ist, auf die man sich in der Krise nicht verlassen kann.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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