Konjunkturpakete sind eine vermeidbare Versuchung

In Zeiten der Krise ist nicht nur guter Rat teuer. Es werden auch schnelle Lösungen gesucht. Sie werden auch dann gesucht, wenn es gar keine schnellen Lösungen gibt oder wie jetzt im Fall der durch das Corona-Virus ausgelösten Krise geben kann. Es ist gerade die Politik, die an dieser Stelle leicht in eine Fall tappt.

Denn in dem verständlichen Wunsch, in diesen Krisenzeiten vom Wähler als „Macher“ wahrgenommen zu werden, entscheiden sich viele Politiker dazu, auch dann viel Geld in die Hand zu nehmen und es auszugeben, wenn die positive Wirkung dieses Tuns mehr als fraglich ist.      

Konjunkturpakete werden in diesen Situationen immer wieder gerne gefordert und verabschiedet und auf den ersten Blick hört sich alles auch so verlockend und verständlich an. Es fehlt in der Wirtschaft an Investitionen und Kaufentscheidungen und um diesen Mangel auszugleichen, springt der Staat ein und haucht der darbenden Wirtschaft neues Leben ein.

Frühere Krisen haben aber längst gezeigt, dass weder die Finanz- noch die Geldpolitik in der Lage sind, Wunder zu bewirken. Weder gibt es diese Wunder noch gibt es sie schnell. Ein Grund für diese Erkenntnis ist, dass in der Regel Infrastrukturmaßnahmen beschlossen werden. Diese erfordern aber von Natur aus eine lange Planungs- und Vorbereitungszeit.

Augenmaß wäre sinnvoll, ist aber verpönt

Bis die in der Krise beschlossenen Programme greifen, ist die Krise meist schon überwunden und die Wirtschaft hat aus eigener Kraft auf den Pfad der Erholung und Gesundung zurückgefunden. Sie treffen daher in der Regel nicht mehr auf eine darbende Wirtschaft, sondern eine anspringende Wirtschaft und heizen diese zusätzlich an.

Leicht entsteht durch diese zusätzliche Nachfrage eine Überhitzung. Eine überhitzte Konjunktur ist aber etwas ganz anderes als eine nachhaltige Konjunkturerholung. Die Folge sind neuerliche Einbrüche, die zumeist dann beginnen, wenn die zur Stützung der Konjunktur gedachten Programme auslaufen.

Sinnvoller sind Maßnahmen, die sofort greifen. Zu ihnen zählen Steuerstundungen oder bleibende Entlastungen bei der Steuer aber auch Lockerungen bei den Regelungen zur Kurzarbeit. Manchmal können auch Kreditbürgschaften eine Hilfe sein. Die eigene Kompetenz überschätzen sollte der Staat allerdings nicht.

Aber machen Sie dies mal einem Politiker im Wahlkampfmodus klar. In den USA wird im November ein neuer Präsident gewählt und der amtierende arbeitet hart an seiner Wiederwahl. Im weiteren Verlauf könnten deshalb noch weitere kostspielige Programme auf uns zukommen, nicht nur in den USA, aber selbstverständlich auch dort.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

Leave a comment: