Geldpolitik: Mit falschen Mitteln lässt sich kaum das Richtige erreichen

Das Corona-Virus hat die Welt fest im Griff und Rettung erwartet ein großer Teil der Menschheit in diesen Tagen auch von den Notenbanken. Zwar wird von ihnen keine medizinische Hilfe erwartet, doch sollen die Zentralbanken durch ihre Geldpolitik dazu beitragen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise verkraftbar bleiben.

Der Wunsch ist verständlich. Aber ist er deswegen auch angemessen und berechtigt? In einer Zeit, in der die Europäische Zentralbank sogar meint, sich nicht nur um das Geld der Eurozone, sondern auch um die Rettung des Klimas kümmern zu müssen, dürfte die Frage nach der Angemessenheit vielfach auf Unverständnis stoßen.      

Haben nicht schließlich die Notenbanken in den Jahren nach 2008 maßgeblich zur Rettung des Finanzsystems und damit zu Gesundung der Weltwirtschaft beigetragen? Offiziell wird dieser Glaubenssatz nicht nur von den Zentralbanken selbst vertreten. Auch die Medien und führende Ökonomen waren in der Vergangenheit dieser Meinung.

Es ist ein Glaube an die Allmacht und auch an die Weisheit der Notenbanken und ihrer Geldpolitik entstanden, der kaum anders denn als eine völlig übertriebene Erwartung charakterisiert werden kann. Das führt gerade in der jetzigen Krise zu Hoffnungen und konkreten Erwartungen, die kaum zu erfüllen sind.

Eine Beschränkung auf das Wesentliche ist nötig

Als die Kurse im späten Februar abzustürzen begannen, da dauerte es nicht lange und die Erwartung kam auf, die Notenbanken mögen bitte bereitstehen und mit ihrem vielen Geld aus dem Nichts, den Absturz der Börsenkurse verhindern. In Japan aber auch in der kleinen Schweiz sind die Notenbanken in den vergangenen Jahren in dieser Richtung bereits aktiv geworden.

Jetzt sitzen die Bank of Japan aber auch die SNB nicht nur auf Devisenreserven, sondern auch auf größeren Aktienpaketen, die in den letzten Wochen deutlich an Wert verloren haben und wir können davon ausgehen, dass andere Notenbanken diesem leuchtenden Beispiel bald folgen werden.

Doch je mehr den Wünschen der Aktionäre und des Marktes gefolgt wird, umso weiter entfernen sich die Zentralbanker von ihrer eigentlichen Aufgabe. Diese besteht nicht darin, den Aktienmarkt zu stützen oder den Strukturwandel aufzuhalten. Auch die Finanzierung klammer Staaten ist nicht die Aufgabe der Notenbanken.

Ihre Pflicht besteht allein darin, die Stabilität des Geldes zu gewährleisten. An dieser Aufgabe versündigen sich die Notenbanker allerdings bereits seit Jahren, denn das viele Geld, das seit der Finanzkrise in die Welt gekommen ist, ohne dass ihm eine wirtschaftliche Leistung gegenübersteht, stabilisiert das Finanzsystem nicht, sondern macht es das System nur fragiler.

Den Teufel mit dem Beelzebub austreiben

Diese Gefahr ist eigentlich erkannt. Trotzdem laufen wir Gefahr, sie erneut zu ignorieren, denn auch in der neuen Krise greifen die Notenbanken wieder zu alten Mitteln mit höchst zweifelhafter Wirkung. Wie vor zwölf Jahren wird dem Drogenjunkie nicht die Droge entzogen, sondern in Höchstmengen verabreicht.

Kämen die Mediziner derzeit auf die Idee, die am Corona-Virus erkrankten Patienten mit noch mehr Corona-Viren zu behandeln, ginge ein Aufschrei durchs Land und man würde an ihrem gesunden Menschenverstand zweifeln. Aber wenn Notenbanker das Problem der vielen Schulden mit noch mehr ungedeckten Schulden bekämpfen wollen, dann werden sie als Retter gefeiert.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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