Die Rückkehr zur Normalität wird guttun

Das Corona-Virus hatte die Welt im März im Griff. Alles geriet aus den Fugen, nicht nur an den Börsen, aber selbstverständlich auch dort. Ob das Gröbste bereits hinter uns liegt, oder ob noch weitere Infektionswellen kommen werden und den Globus ähnlich stark beeinträchtigen werden, wie wir es in den vergangenen Wochen gesehen habe, vermag derzeit niemand so recht abzuschätzen.

Auch die Folgen, die diese Krise und der durch sie hervorgerufene wirtschaftliche Stillstand nach sich ziehen werden, lassen sich momentan bestenfalls erahnen, aber kaum verlässlich abschätzen. Die im April anlaufende neue Berichtssaison dürfte uns zumindest einen ersten Eindruck vermitteln.      

Wie stark das Corona-Virus unsere Welt am Ende verändert haben wird, dürfte sich auch erst im Abstand von mehreren Jahren erkennen lassen. Es wird Veränderungen bei den Lieferketten und der Vorratshaltung geben. Auch der Tourismussektor könnte noch lange vom Faktor Angst bestimmt werden und Mühe haben, an seine vor der Krise erreichten Umsatz- und Gewinnzahlen heranzukommen.

Doch egal, ob der Höhepunkt der Krise bereits hinter uns liegt oder wir ihn immer noch vor uns haben: An einem Punkt können die Anleger bereits heute entspannter und zuversichtlicher in die Zukunft schauen. Dieser Punkt betrifft die Bewertung der Märkte und damit die Frage, wie viel oder auch wie wenig Rendite man in den nächsten Jahren als Anleger realistisch erwarten darf.

Exzesse werden korrigiert

Auch wenn es im Januar und Februar nur die wenigsten Anleger wahrhaben wollten, die damals erreichten Kurse waren viel zu hoch. So angenehm das Börsenjahr 2019 mit seinen schönen, konstanten und am Ende auch sehr hohen Gewinnen war, es war die Ausnahme, nicht die Regel.

Zu glauben, dass dieser paradiesische Zustand immer weiter gehen würde, war ein schwerer Fehler. Viele haben ihn teuer bezahlt. Inzwischen wurde bereits ein Teil der Übertreibung abgebaut. Ob wir auch hier das Gröbste bereits hinter uns haben, lässt sich ähnlich wie bei Virus selbst kaum verlässlich abschätzen.

Gerechnet werden sollte zumindest mit der Möglichkeit, dass die Kurse nicht nur auf ihrem Weg nach oben, sondern auch auf dem nach unten kräftig übertreiben. Ist die Krise ähnlich schwerwiegend wie die Finanzkrise, kann der Markt durchaus noch deutlich unter die bereits erreichten Tiefs zurückfallen.

Egal, ob er dies noch tun wird oder nicht: Allein dadurch, dass die hohe Bewertung in den vergangenen Wochen bereits ordentlich abgebaut wurde, sind wieder Chancen zum Einstieg gegeben. Wer nicht gleich Haus und Hof investiert, sondern in kleineren Tranchen vorsichtig in den Markt einsteigt, dürfte langfristig durchaus einen guten Einstieg erwischen.

Alles eine Frage der Perspektive

Verabschieden sollte man sich aber von der Vorstellung, dass die Kurse gleich wieder steil nach oben schießen und das Jahr 2021 wieder genauso gut oder sogar noch besser wird als das Aktienjahr 2019. Realistischer ist es, kleinere Brötchen zu backen und davon auszugehen, dass man an den Aktienmärkten in den nächsten zehn Jahren Renditen im mittleren einstelligen Bereich erzielen kann.

Im Vergleich zum Superjahr 2019 ist eine solche Performance natürlich enttäuschend. Doch wie gesagt: 2019 war die Ausnahme, nicht die Regel. Wenn man allerdings bedenkt, welche Renditen derzeit auf dem Sparbuch oder bei Lebensversicherungen erwirtschaftet werden, sind Aktienrenditen von fünf bis sieben Prozent durchaus attraktiv. Vor allem dann, wenn sie nicht nur in einzelnen besonders guten Jahren, sondern durchgängig erwirtschaftet werden können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

About the author

Bernd Heim

Dr. Bernd Heim ist seit 1985 als Investor und Trader an den Finanzmärkten aktiv. Einem breiten Publikum ist er bekannt aus diversen Börseninformationsdiensten und als Schöpfer des 'Jay Thompsen', einem fiktiven Investmentbanker aus der 'Winsider'-Reihe.

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